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M-Learning – der Trend im E-Learning

Von der antiken Steintafel über die Schiefertafel des letzten Jahrhunderts bis zum Tablet-PC – Mobile Learning revolutioniert gerade das Lernen und ist das Thema an Universitäten, Schulen und auf Bildungsmessen in der ganzen Welt. Doch was unterscheidet M-Learning vom klassischen E-Learning? Und wie wird es von Studierenden angewandt?

Wenn die Prognosen des US-amerikanischen Telekommunikationsunternehmens Cisco Systems stimmen, dann soll im Jahr 2016 jeder Mensch auf der Erde 1,4 mobile Endgeräte besitzen. Das sind insgesamt über zehn Milliarden Stück. Und die werden natürlich nicht nur zum Vergnügen genutzt, sondern immer stärker auch zum Lernen.

Lernen unterwegs – das ist sehr vereinfacht eine Definition des Mobile Learning oder M-Learning. Tales Tomaz aus Brasilien schreibt: „Ich habe den ganzen Kurs Deutsch - Warum nicht? von der Deutsche Welle gelernt – auf dem Weg zu der Universität São Paulo, wo ich derzeit promoviere. Ich wohne in einer Stadt, die 200 Kilometer von São Paulo entfernt ist, und ich fahre wöchentlich nach São Paulo mit dem Bus, um zu studieren.“

Mobiles Lernen bedeutet aber weitaus mehr, als flexibel und unabhängig von Zeit und Ort zu sein, wenn man sein Wissen erweitern will. Ein großer Pluspunkt für Studierende ist die Interaktion mit den Dozenten und auch untereinander. Mehr Interaktion bedeutet auch, ein schnelleres Feedback über Leistungen zu erhalten oder auf individuelle Fragen rasch und unkompliziert eingehen zu können. Ein besonderer Vorteil sind die unzähligen mobilen Apps, die auf verschiedene Anforderung zugeschnitten werden.

Mobiles Lernen an der Universität Kassel

Gute Erfahrungen mit M-Learning machen Studierende der Universität Kassel: Sie erproben im Projekt „Mobiles Lernen“ seit 2010 als erste deutsche Hochschule den Einsatz von Tablet-PCs. Sie bekommen die handlichen Geräte kostenlos ausgeliehen. Ein Dozent hat für seine Vorlesung zur Wirtschaftsinformatik eigens ein Computerprogramm entwickelt. Seine Vorlesung lässt sich von zu Hause oder unterwegs verfolgen, denn sie wird mittels einer Kamera aufgenommen. So können die Teilnehmer online Fragen an den Dozenten stellen – anonym. Das ist besonders hilfreich, wenn der Hörsaal sehr voll ist und sich keiner traut etwas zu fragen.

Eine Besonderheit ist der „Panik-Button“: Er befindet sich als App auf dem Tablet-Bildschirm. Wenn sich die „Notrufe“ häufen, weil der Stoff zu schwierig oder das Tempo zu schnell ist, kann der Professor unmittelbar reagieren und das Tempo der Vorlesung zurückfahren. Auch an die Nachbereitung ist gedacht, denn auf dem Tablet sind Übungsaufgaben gespeichert. All diese Konfigurationen sind von der Universität Kassel vorgenommen worden.

Unterschied M-Learning und E-Learning

Lernen lässt sich natürlich auch an stationären Rechnern. Doch die Vorteile vom M-Learning liegen auf der Hand: Neben Laptops lassen sich vor allem Smartphones und Tablet-PCs einfach gut unterwegs nutzen. Bei mobilen Lerntechnologien sind einige technische Bedingungen anders als herkömmliche E-Learning-Methoden, etwa ein meist kleiner Bildschirm und fest integrierte Audio- und Videotechnik. Das bedeutet, man kann zum Beispiel auf Reisen – so wie wie Tales Tomaz – sehr gut Audiosequenzen von Sprachkursen hören.

Der Alumnus Fedor Smirnov erklärt dazu: „Mobiles Lernen beinhaltet eine große Bandbreite an Methoden – vom Hören deutscher Texte oder Lektionen bis hin zu spezieller Software auf den mobilen PCs oder Mobiltelefonen ist alles dabei. Da ich aktuell viel unterwegs bin höre ich Texte in deutscher und englischer Sprache, und zwar im Zug.“

Mobile Learning benötigt gute Software

Bei aller Euphorie über die attraktiven Möglichkeiten des mobilen Lernens: Ohne funktionierende Technik und anwenderfreundliche Software nützen die besten mobilen Endgeräte nichts. Fedor Smirnov bringt es auf den Punkt: „Die Lernmethode des Mobile Learnings ist von der Technik abhängig, und die kostet Geld, vor allem in weniger entwickelten Regionen wie Südamerika, wo auch weniger Leute Zugang dazu haben.“ So sieht das auch Koffi Béhira François Djéa von der Elfenbeinküste: Für ihn ist die interaktive Unterstützung beim M-Learning ein großer Vorteil. „Der Nachteil ist aber, dass diese Methode nicht funktioniert, wenn die Technik versagt.“

Die Humboldt-Universität Berlin, die ein Multimedia Lehr- und Lernzentrum hat, verwendet seit 2003 Moodle. Das ist eine Lernplattform, auch webbasiertes Learning Management System (LMS) genannt. Moodle ist Open Source. Hier lassen sich Inhalte präsentieren, man kann Aufgaben und Übungen erstellen, hat Bewertungshilfen und kann seine Studenten und ihre Lernfortschritte sowie alle Termine verwalten. Ganz wichtig sind die Kommunikationswerkzeuge, die die Zusammenarbeit sowie die individuelle Betreuung unterstützen.

Ein anderes Beispiel: Die Universität Hohenheim verwendet in ihrer mobilen Lehre ILIAS, ebenfalls eine Open-Source-Software, mit der auch viele andere Hochschulen arbeiten. Live-Umfragen ermöglichen es den Dozenten, ihre Studierenden zur aktuellen Vorlesung abzufragen und sofort Antworten zu erhalten.

M-Learning: Mehrwert durch Apps und QR-Codes

Es sind vor allem die Apps, die sehr vielfältig und anwenderfreundlich gestaltet sind. Die Fernuniversität Hagen hat zum Beispiel für das Fach Bildungstheorie und Medienpädagogik eine kostenlose App entwickelt, die sich „moBiwi kompakt“ nennt und Grundlagenwissen auf Smartphones von Studierenden im Bachelorstudiengang Bildungswissenschaft sendet. So gibt es mehr als 50 Karten mit Fragen und Antworten für das mobile Lernen, die die Studierenden mit ihren eigenen Karten ergänzen können.

Zunehmend eingesetzt werden auch QR-Codes: Dazu gehört etwa das Projekt „more“ der Universität Trier. Die Lernplattform ist sowohl für PCs, Tablets und Smartphones geeignet. Damit wird in erster Linie das Lernen durch elektronische Übungsaufgaben unterstützt. Nutzt man ein mobiles Gerät, lässt sich diese Übungsaufgabe über einen QR-Code abfotografieren. Übungen auf dem Smartphone können somit die Lerninhalte vertiefen.

Mobiles Lernen in Entwicklungsländern

Die UNESCO – die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur – beschäftigt sich seit Jahren auch mit M-Learning. So fand im Februar 2014 die „Woche des mobilen Lernens“ statt. Ein Thema: Wie können mobile Kommunikationstechnologien den Zugang zur Bildung verbessern? Forschungen dazu und interessante Projekte gibt es schon. Organisationen wie „Mobiles for Education Alliance“ setzen sich verstärkt dafür ein, dass vor allem in Entwicklungsländern der Zugang zu kostengünstigen mobilen Anwendungen geschaffen wird.

Urs Gröhbiel und Christoph Pimmer von der Fachhochschule Nordwestschweiz haben den Einsatz von Tablets in einer Schule in Simbabwe gemeinsam mit der Entwicklungsorganisation „World Vision“ getestet. Hier wurden unter anderem mit Apps aus den Bereichen Geografie, Chemie, Physik und Mathematik gearbeitet. Urs Gröhbiel war selbst erstaunt, wie gut die mobilen Techniken angenommen wurden – von Seiten der Lehrer und der Schüler. Er sieht für mobile Anwendungen ein großes Potenzial für das individuelle und gemeinsame Lernen.

M-Learning also ist ein ernstzunehmender Trend im Bereich des E-Learnings, der sich stetig weiter entwickeln wird, denn, so schreibt Martin Ebner von der Technischen Universität Graz: „Die Zukunft ist mobil.

Diskussion über M-Learning in der Community

Was denken Sie über Mobile Learning? Wird es eines Tages ein Ersatz für traditionellen Unterricht sein? Lohnt sich der Aufwand für die Implementierung mobiler Anwendungen überhaupt? Wie nutzen Sie persönlich die mobilen Angebote der Universitäten? Oder empfinden Sie die ständige Verfügbarkeit von Information als Belastung? Möchten Sie vielleicht gar nicht ständig kommunizieren und lernen? Diskutieren Sie mit anderen Alumni über E- und M-Learning in der Gruppe „Digitale Gesellschaft – Digital Society“!

Zur Community

Autorin: Sigrid Born

Dezember 2014

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Kommentare

Mohamed FILAHI
21. Januar 2015

Wunderbar wenn das Wissen nicht mehr als Privileg bleibt!

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