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„Schnupperstudium“ in Deutschland

BIDS feiert Jubiläum: Das Förderprogramm des DAAD erleichtert Absolventinnen und Absolventen von PASCH-Schulen den Studienstart an deutschen Hochschulen.

Mit 17 Jahren kam Anna Schardt aus Nishnij Tagil im Uralgebirge an die Universität Gießen. Die Sprache bereitete der jungen Russin keine Probleme, sie hatte schon in der Schule das Deutsche Sprachdiplom abgelegt. „Es war immer mein Traum, in Deutschland zu studieren“, sagt die heute 23-Jährige. In den ersten zwei Semestern förderte die BetreuungsInitiative Deutsche Auslands- und PartnerSchulen (BIDS) ihr Studium mit einem Stipendium. „So konnte ich mich ohne finanziellen Druck einleben“, erzählt die Lehramtskandidatin. Sie wird einmal Deutsch und Russisch unterrichten. Über einen Kontakt aus dem BIDS-Netzwerk hat sie einen Job am Studienkolleg Mittelhessen in Marburg gefunden. Als Wissenschaftliche Hilfskraft betreut Anna Schardt nun selbst Studienbewerber, die aus aller Welt nach Deutschland kommen.

Ein Netzwerk mit 1.800 Partnerschulen rund um den Globus

2008 rief das Auswärtige Amt die Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) ins Leben – mit dem Ziel, die deutschen Auslandsschulen weltweit miteinander in Kontakt zu bringen. Daraus ist ein Netzwerk von 1.800 Partnerschulen entstanden. Partnerschulen zeichnen sich dadurch aus, dass an ihnen verstärkt Deutsch unterrichtet wird. Ihre Absolventen bringen daher – wie Anna Schardt – die besten Voraussetzungen für ein Studium in Deutschland mit. Hier setzt das DAAD-Förderprogramm BIDS an, das seit seiner Gründung 2008 Teil der PASCH-Initiative ist. „Wir informieren die Jugendlichen an PASCH-Schulen über die Möglichkeiten eines Studiums in Deutschland und erleichtern ihnen den Einstieg“, erklärt Dr. Esther May, DAAD-Referentin für Projekte zur Förderung derdeutschen Sprache und zuständig für das BIDSProgramm. „In den vergangenen zehn Jahren ist es uns gelungen, deutsche Hochschulen auf diese exzellent vorgebildete Zielgruppe aufmerksam zu machen.“ Rund 4.700 junge Menschen sind von 2008 bis 2018 aus Mitteln des BIDS-Programms gefördert worden. Die Bilanz nach zehn Jahren ist positiv: Groß ist die Nachfrage in Mittel- und Südosteuropa, Lateinamerika, China und Russland. BIDS bedient beim Übergang von der Schule im Ausland an eine Hochschule in Deutschland einen substanziellen Bedarf der Zielgruppe. Im Mittelpunkt stehen zwei Förderlinien: Probestudienwochen geben Schülergruppen einen ersten Eindruck vom Hochschulleben. Meist einjährige Motivationsstipendien richten sich an Studienanfänger, für die es nur wenige Fördermöglichkeiten gibt. Die Anschubfinanzierung von 325 Euro monatlich hilft über die erste Zeit des Einlebens hinweg. „Nach einem Jahr ist es viel einfacher, einen Job oder andere finanzielle Unterstützung zu finden“, sagt May. Zusätzlich werden Personalmittel für die Betreuung, Organisation und Koordinierung der BIDSProjekte zur Verfügung gestellt oder Reisekosten für Hochschulangehörige übernommen, die Kontakt zu einer Partnerschule aufbauen.

Die Hochschulen setzen das Programm mit vielen eigenen Ideen um

In der Ausgestaltung ihrer Schnupperstudienwochen lässt BIDS den Hochschulen großen Freiraum. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) organisiert schon im Rahmen des vierwöchigen Bewerberseminars „Sommer im Schloss“ Treffen mit potenziellen Ausbildern und Arbeitgebern aus der Region. Die Universität Greifswald bringt die jungen Gäste über ein Buddy-Programm mit Studierenden aus ihren Wunschstudiengängen zusammen. „So haben sie direkte Ansprechpartner, die ihnen zeigen, was sie besonders interessiert“, sagt Britt Schumacher, die das Programm im International Office der Hochschule betreut. Neben Deutschkursen und Ausflügen erfahren die in Gastfamilien untergebrachten angehenden Studierenden auch viel über Land und Leute. „Die Schülerinnen und Schüler waren alle sehr begeistert“, beobachtet Schumacher. „Auch die begleitenden Lehrer aus dem Ausland zeigen großes Interesse, etwa an didaktischen Methoden.“ Viele Hochschulen stärken im Rahmen des BIDSProgramms bestehende Hochschulpartnerschaften und weiten ihre Kontakte auf PASCH-Schulen im Land aus. Andere nutzen ihre Kooperationen mit deutschen Gymnasien für Dreieckspartnerschaften. Oft entwickelt sich daraus mehr: So nutzt die Universität Jena ihr BIDS-Projekt strategisch. Sie entsendet Lehramtskandidaten im Praxissemester an Schulen, die sie über das Förderprogramm in ihr Netzwerk integriert hat.  „Wenn wir Schülerinnen und Schüler zum Schnupperstudium nach Jena holen und die Schulen unsere Lehramtskandidaten aufnehmen, schließt sich der Kreis“, betont Dr. Claudia Hillinger, Leiterin des International Office. „Das festigt die Beziehungen.“

Die Vielfalt der Hochschulen im Netzwerk ist ein wichtiger Erfolgsfaktor

Johannes Thyssen aus Mexiko etwa hatte noch nie von Wildau gehört. Als Mitarbeiter des International Office die Technische Hochschule in Brandenburg an seiner PASCH-Schule vorstellten, war er begeistert. „Für das Internationale Studienkolleg konnte ich mich auch ohne Abitur anmelden“, erzählt der 19-Jährige. Ein BIDSStipendium half ihm beim Einstieg, heute studiert er im dritten Semester Maschinenbau. Die Vielfalt der Hochschulen und Standorte im BIDS-Netzwerk ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. In dem Förderprogramm sind alle Hochschultypen vertreten, vom Studienkolleg über Fachhochschulen bis zu Volluniversitäten und Hochschulverbünden wie den TU9, die jährlich Probestudienwochen für angehende Ingenieure veranstalten. „Wir achten auf eine ausgewogene Mischung“, betont Esther May. Das duale System sei international wenig bekannt. „Es bietet aber exzellente Möglichkeiten für den Einstieg in den Arbeitsmarkt.“ Künftig sollen PASCH-Schulen stärker ermutigt werden, auch von sich aus Fördermaßnahmen zu nutzen und Partnerschaften mit deutschen Hochschulen einzugehen. Geplant sei eine zentrale Informationsplattform, die alle Angebote bündelt und den Zugang zu Ansprechpartnern und Maßnahmen erleichtert.

 

Autorin: Gunda Achterhold, LETTER 03/2018.

LETTER – Das Magazin für DAAD-Alumni erzählt spannende Geschichten aus Wissenschaft, Kultur, Deutschland und dem DAAD-Alumni-Netzwerk.

Februar 2019

Kommentare

Stafford E.M. Nkubhagana
2. März 2019

Dear All, Again with new comment, I have my daughter her name is Vicky (14) who did not be selected to join up the government school in Tanzania in 2018, I tried to my level best sending her to private school owned by Roman Catholic sisters, unfortunately she was rejected in third quarter of her first year (form one 2018) because of fail to pay school fees, so as a member of alumni I am asking how could I be supported of her school fees of my daughter education whom she at home up to now while the possibility of having a chance to re join form one is still there, this has been happened due to economic crises in Tanzania as far as my business is beekeeping and honey processing in micro level.
Looking forward to hear from your contribution.
Regards
Stafford

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