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Schauspieler Christoph Waltz: Von deutschen Bühnen nach Hollywood

Für die meisten Schauspieler auf deutschen Theaterbühnen bleibt es ein unerfüllter Wunsch, auch im Fernsehen Erfolge zu feiern – vom Kino und dem internationalen Filmgeschäft wagen die meisten erst gar nicht zu träumen. Dem Deutsch-Österreicher Christoph Waltz ist nicht nur der Durchbruch vom Theater ins Fernsehen und Kino gelungen, seit Quentin Tarantinos Film „Inglorious Basterds“ ist er ein berühmter Hollywoodstar.

Christoph Waltz ist nicht gerade ein typischer Hollywood-Filmstar. Er ist kein englischer Muttersprachler und hat jahrzehntelang fast nur Nebenrollen gespielt. Er ist kein Frauenschwarm, hält sein Privatleben aus der Öffentlichkeit fern und war bei seinem ersten Erfolg in Hollywood bereits über 50 Jahre alt. Er verkörpert keine Helden, sondern linkische, undurchsichtige, traurige oder böse Figuren. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – ist er heute einer der wenigen international gefragten und preisgekrönten Filmstars, deren Karrieren im deutschen Theater begannen.1956 wurde der Schauspieler mit deutscher und österreichischer Staatsbürgerschaft in Wien geboren. Er stammt aus einer Theaterfamilie: Seine Eltern waren Bühnen- und Kostümbildner, die Großeltern Schauspieler am berühmten Wiener Burgtheater. So wurde Christoph Waltz die Schauspielerei schon in die Wiege gelegt. Nach dem Schauspielstudium am renommierten Max-Reinhardt-Seminar in Wien ging er nach New York, um auch am Lee Strasberg Theatre Institute Schauspielunterricht zu nehmen. Das mag darauf hindeuten, dass er schon damals von einer internationalen Karriere im Filmgeschäft träumte.

Zunächst stand Christoph Waltz aber in Theatern in Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, Salzburg, Wien und Zürich auf der Bühne, bevor er Ende der 70er Jahre zunehmend auch im Fernsehen Fuß fasste. Er spielte in unzähligen Episoden deutscher Krimiserien wie zum Beispiel „Derrick“, „Tatort“, „Der Alte“ oder „Ein Fall für zwei“, wirkte aber auch in Fernseh- und Kinofilmen mit.

Typische Rollen von Christoph Waltz: Depressiver Schlagerstar, skrupelloser Entführer

Größere Bekanntheit erlangte er in Deutschland mit den Fernsehfilmen des österreichischen Regisseurs Peter Keglevics: „Du bist nicht allein“, einer Verfilmung der Lebensgeschichte des deutschen Schlagersängers Roy Black aus dem Jahr 1996, und „Der Tanz mit dem Teufel – Die Entführung des Richard Oetker“ von 2001, in der Waltz den skrupellosen Entführer des berühmten Unternehmersohnes darstellte. Für seine Leistung in diesem Film erhielt der Schauspieler den Adolf-Grimme-Preis, einen der wichtigsten deutschen Fernsehpreise.

In den 90er Jahren wirkte Christoph Waltz bereits mehrfach an internationalen Film- und Fernsehproduktionen mit, arbeitete zum Beispiel mit dem polnischen Regisseur Krzysztof Zanussi oder spielte in einem zweiteiligen Fernsehfilm über Katharina die Große. Dieser Film entstand als deutsch-österreichisch-US-amerikanische Koproduktion und in ihm spielt Catherine Zeta-Jones die Titelfigur.

Christoph Waltz: Vom Nobody zum Superstar

Obwohl er ein exzellenter Schauspieler ist, war Christoph Waltz nie ein Star. So konnte er vermutlich nicht ahnen, welche Folgen seine Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Kultregisseur Quentin Tarantino in „Inglorious Basterds“ haben würde. Der Film erzählt die fiktive Geschichte einer Gruppe jüdisch-amerikanischer Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg im besetzten Frankreich Nazis töten; Waltz spielt darin den kaltblütigen SS-Standartenführer Hans Landa.

Video: Christoph Waltz erhält den Oscar als bester Nebendarsteller für „Inglorious Basterds“

Im Jahre 2010 erhielt der Schauspieler den Oscar und wurde unter anderem mit dem Golden Globe, dem British Academy Film Award und bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes (bereits 2009) ausgezeichnet. Niemand hat daran geglaubt, dass ihm nach fast 30 Jahren Berufserfahrung noch der große Durchbruch in Hollywood gelingen würde – Waltz selbst am wenigsten. Einem deutschen Boulevardmagazin sagte er: „Natürlich habe ich mit einem solchen Rummel nicht gerechnet. Sonst hieße ich Lady Gaga und nicht Christoph Waltz.“

Seitdem wird er mit Angeboten überschüttet, spielte in der Hollywoodproduktion „Der Gott des Gemetzels“ nach Yasmina Rezas erfolgreichem Theaterstück neben Jodie Foster und Kate Winslet und drehte mit Robert Pattinson und Reese Witherspoon „Wasser für die Elefanten“. Bei dem Film „Django Unchained“ arbeitete er wieder mit Tarantino zusammen – und wurde dafür 2013 noch einmal mit dem Oscar und dem Golden Globe als bester Nebendarsteller ausgezeichnet.

Christoph Waltz scheint den neuen Ruhm zu genießen und doch gelassen zu bleiben. Auf die Frage, wie er mit dem ungewohnten Rummel umgehe, antwortet er: „Aufgeregt kann man ja auch sein, wenn man zu viel Kaffee trinkt. Dann muss man halt weniger Kaffee trinken. Und ich bin ja auch jemand, der schon öfter vor die Öffentlichkeit geworfen wurde. Ich kann damit ganz gut umgehen.”

Januar 2013

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Kommentare

Erikitha
12. April 2013

My German is rusty, but since Christoph speaks so sollwy and clearly, I was able get the following sense of it: And the same in German! (referring to Francis Lawrence's reply to the same question) Sometimes I am asked, Did you expect that Rob Pattinson could play another role? And I have answered this question honestly. Why not? Where does this assumption come from that an actor who became world famous with one thing, only has this one thing to inveigle with? Really absurd! That was great! He is an actor, not like every other, but rather one of the rare sort, with whom it is very pleasant, productive, and very constructive to work. Period.

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