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Haile Gerimas Film "Morgentau": fremde Heimat

Hoffnungsvoll kehrt Anberber (Aaron Arefe) in Haile Gerimas Film "Morgentau" in seine alte Heimat Äthiopien zurück. Weil er in Deutschland Medizin studiert hat, sehen ihn die Bewohner seines Dorfes als den Retter an, der ihnen den Weg in eine bessere Zukunft ebnet.

Auf der Suche nach der Heimat

Doch der erhoffte Neuanfang des Rückkehrers wird durch politische Instabilität der sozialistischen Diktatur in den 80er und 90er Jahren erschwert. Anberber gerät in eine Situation, in der er seine geliebte Heimat kaum wiedererkennt. Verzweifelt sucht er das Land, das er aus seiner Kindheit kannte: Die Natur, die Landschaft, den See, in dem er schwimmen lernte und die Felder in denen er als kleiner Junge umherstreifte.

Anberber durchforstet seine Erinnerungen, erlebt die glücklichen Momente von damals noch einmal. Im Hier und Jetzt hingegen fühlt er sich nicht wohl. Zu sehr sehnt sich der Heimkehrer nach dem alten Äthiopien – einer Gesellschaft, die nun anders ist als vor seiner Abreise. Anberber aber will nicht wahrhaben, dass sein Land nicht mehr dasselbe ist. Dass das Land, in das er zurückgekehrt ist, nicht mehr jenes ist, welches er in Erinnerung hielt. Sein Äthiopien – es existiert für ihn nicht mehr.

Hilfe leisten will Anberbers Mutter – eine Zeremonie soll ihm, der zwischen Hoffnung und Resignation seine Vision eines besseren Äthiopien verloren hat, einen Weg in die Zukunft weisen – ihn von der Romantisierung und Idealisierung der Vergangenheit befreien. Doch es ist nicht leicht für Anberber, sich dieser Situation zu stellen. Erst wenn das schafft, kann er herausfinden, wo er wirklich zuhause ist.

Eigene Erfahrungen

Der Protagonist verlässt sein Dorf in den 70er Jahren, um in Westdeutschland Medizin zu studieren. Genau in dieser Zeit verließ auch der Filmemacher Gerima seine Heimat in Richtung USA. Der Regisseur weiß also, wovon er spricht, wenn es um die Beziehung eines Auswanderers zu seiner Heimat geht.  Gerima gelingt es, die Probleme Anberbers anschaulich und glaubhaft zu vermitteln. Denn aus dem hoffnungsvollen jungen Mann wird auf die Dauer jemand, der zwischen den Gesellschaften steht. Weder in Deutschland noch in Äthiopien ist seine wirkliche Heimat.

Der äthiopische Regisseur Haile Gerima verarbeitet in "Morgentau" die Probleme junger Auswanderer – am Beispiel eines Mannes aus seiner eigenen Heimat. Gerimas Inszenierung der Geschichte des Hoffnungsträgers Anberber entwickelt sich zu einer faszinierenden Reise in die Vergangenheit des Staates im Nordosten Afrikas. Er ist gleichzeitig ein Beleg für den schlechten Umgang mit Einwanderern, die als Fremde gebrandmarkt werden. Als Rückkehrer ergeht es ihnen oft nicht besser: Immer wieder werden die Heimgekehrten stigmatisiert und ausgegrenzt, was sie auch in der alten Heimat zu Außenseitern macht.

Morgentau (OT: „Teza“), Regie: Haile Gerima, Cast: Aron Arefe, Abeye Tedla, Takelech, Beyene, USA/D/FRA, 2008, Laufzeit: 140 Minuten, FSK: Freigegeben ab 16 Jahren.

Ist der Film auch bei Ihnen zu sehen? Haben Sie vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht wie Anberber? Erzählen Sie uns davon im Gruppenforum oder ihrem Blog in der Community: >> zur Community-Gruppe KULTUR - CULTURE

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Rückkehrende Fachkräfte

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Mai 2011

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