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Juli Zeh – mehr als nur eine Erfolgsautorin

Was könnte wohl lauter sein als die Stille, wenn man sich in ständiger Angst vor einer Detonation durch vermintes Gebiet bewegt und nicht weiß, wohin man den Fuß setzen soll? Man tut gut daran, den Ratschlägen der Schriftstellerin Juli Zeh zu folgen: „Man kann sich in den Minen verlegenden Soldaten hineinversetzen: Je weicher die Erde, desto leichter lässt sich so ein Ding verbuddeln. Felsen, große Steine und Baumstämme sind selbstverständlich trittsicher.“

 

Juli Zehs Reisetagebuch „Die Stille ist ein Geräusch“, aus dem diese hilfreichen Tipps stammen, ist weit mehr als die Aufzählung der verschiedenen Stationen einer Reise durch ein unbekanntes Land. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn die engagierte Juristin und Völkerrechtlerin fuhr 2006 ausgerechnet nach  Bosnien-Herzegowina. Das Land ist der große Verlierer im Balkankrieg. Bis heute ist es zu großen Teilen unbewohnbar, da es völlig willkürlich von Soldaten und Milizen vermint wurde. Die Bevölkerung Bosniens versucht, sich gegen diese Gefahr zu schützen, und doch kommt es jeden Monat im Durchschnitt zu acht Unfällen. Die Dramatik hinter dieser erschreckenden Aussage entschärft die Autorin trocken: „Das ist alles andere als erfreulich, aber deutsche Autobahnen sind weitaus gefährlicher.“

Autorin gegen den Krieg

 

So bewegt sich das gesamte Buch zwischen Tragik und Komik, kippt mal in die eine, mal in die andere Richtung, ist stets spannend und vor allem ein deutliches Statement gegen den Krieg, nicht nur gegen den in Bosnien, sondern im Allgemeinen. Kriege bringen in den Augen von Juli Zeh keine strahlenden Sieger, sondern vor allem Verlierer hervor – und diejenigen, die von diesem blutigen Geschäft profitieren: Völkermörder, Drogen- und Waffenhändler und Politiker, die vor allem ihre eigene Haut retten wollen.

Die Autorin Juli Zeh, die ihren Debütroman „Adler und Engel“ mit 27 Jahren schrieb und deren Bücher mittlerweile in 29 Sprachen übersetzt werden, ist nicht nur Schriftstellerin, sondern auch Juristin (Studienschwerpunkt Völkerrecht). Mit der Politik ist sie als Tochter des ehemaligen Direktors beim Deutschen Bundestag, Wolfgang Zeh, von klein auf vertraut. Im Jahr 2010 promovierte Juli Zeh zum Dr. jur., ihre Dissertation hat die Rolle der UNO bei internationalen Konflikten zum Thema – und lässt die Internationale Gemeinschaft nicht gut aussehen. In ihren Augen entwirft die UNO auf diplomatischer Ebene Friedensverträge, die von den Führern der Kriegsparteien aber nicht akzeptiert werden. Den militärischen Truppen der UNO, UNPROFOR (United Nations Protection Force - „Blauhelmel“), fehlt das Mandat zum Eingreifen, sie nehmen somit als Zuschauer an den Massakern teil.

Reisetagebuch Vietnam

 

Weit weniger dramatisch, dafür umso witziger, ist der Reisebericht über Vietnam, geschrieben im Oktober/November 2010. Auf Einladung des Goethe-Institutes bereiste sie vier Wochen das Land und beschrieb das, was sie erlebte, in einem Blog auf der Seite des Institutes. Herausgekommen ist ein überaus liebens- und lesenswerter Beitrag zur Völkerverständigung.

Dazu ein Beispiel: Über einen vietnamesischen Autofahrer, der das erste Mal in seinem Leben mit seinem klapprigen Vehikel die einzige Autobahn Vietnams befuhr und der nach wenigen Minuten genauso intensiv schimpfte wie der klassische Deutsche, schrieb Zeh: „Ein verblüffendes Schauspiel, dem wir hier beiwohnen: Unerschütterlich stand die vietnamesische Gleichmut wie ein Fels in der Brandung, umspült von den tosenden Wirren der Epochen, sie wankte nicht, sie wich nicht, sie lächelte und wartete ab.....und wurde am Ende von einem Stück Autobahn geknackt.“

 

 

Berichten Sie in der Community

Juli Zeh hat spannende Reiseberichte geschrieben. Auch in der Community des Alumniportals Deutschland gibt es Mitglieder, die von ihren Reisen erzählen. Haben Sie auch gerade eine spannende oder interessante Reise unternommen? Welches Land haben Sie erkundet? Berichten Sie davon in der Community!

Zum Beispiel in den Gruppen Global Travelers oder Travel Lovers.

Juli 2011

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Kommentare

Snowy
12. August 2011

How could any of this be better stated? It couldn't.

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