0 Finde ich gut

Max Frisch zum 100. Geburtstag

„Ehrlich sein – einsam sein.“ Davon war der berühmteste Schriftsteller der Schweiz, Max Frisch, überzeugt. Immer wieder hat er seine eigenen Entscheidungen sowie die Anderer überdacht und  hinterfragt. Denn trotz der drohenden Einsamkeit sah Frisch in der Wahrheit gleichzeitig eine große Chance zu einer positiven Veränderung – wenn man denn den Mut hat, sich darauf einzulassen.

Der große Grübler

Zeit seines Lebens war Max Frisch ein großer Grübler – welche Richtung auch immer er im Leben eingeschlagen hatte, er hinterfragte seine Entscheidung sofort wieder und blieb oft uneins mit sich selbst. So studierte er zunächst Literaturwissenschaft und 1933 Journalismus, um dann drei Jahre später ein Architekturstudium zu beginnen, das er 1941 erfolgreich abschloss. Bereits während des Studiums und später neben seiner Tätigkeit als Architekt begann Frisch, seine ersten Erzählungen zu schreiben: In „Antwort aus der Stille“ aus dem Jahre 1937 riskiert ein junger Mann, der zwischen künstlerischer Existenz und bürgerlicher Karriere schwankt, bei einer Bergtour sein Leben. Danach gelangt er zu der Gewissheit, dass auch das langweiligste Leben wert sei, gelebt zu werden. Eine interessante Erkenntnis, zu der Max Frisch mit gerade mal 26 Jahren gelangte.

Von „Wer bin ich?“ zu „Wer könnte ich sein?“

Das Thema der seelischen Gespaltenseins griff Frisch auch in seinen bekannten Romanen „Stiller“ und „Homo faber“ wieder auf. Später gelangt der Schriftsteller in „Mein Name sei Gantenbein“ zu einer ganz neuen Hypothese: Wie wäre es denn, wenn man sich neben der realen Existenz eine weitere, fiktive, entwickelte – oder gar mehrere? Durch das Spiel mit verschiedenen Identitäten wirft Max Frisch einen schonungslosen und zugleich liebevollen Blick auf die moderne Gesellschaft. In der versucht jeder Einzelne, sich selbst im besten Licht darzustellen und wird dabei von seinen Mitmenschen durchschaut – die wiederum so tun, als hätten sie nichts von der Verstellung bemerkt.

Max Frisch war jedoch nicht bereit, seinen Mitmenschen diese Art der Heuchelei zu erlauben, ebenso wenig wie sich selbst. Daher erfand er Fragebögen, insgesamt zehn Stück, die sich mit den Themen Ehe, Frauen, Hoffnung, Humor, Geld, Vatersein, Heimat, Eigentum, Tod und Erhaltung des Menschengeschlechts befassen. Die 25 Fragen pro Bogen richten sich direkt an den Leser und erscheinen zum Teil einfach, zum Teil völlig unverständlich. Ein Beispiel: „Sind Sie sicher, dass Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert?“ Die nächste Frage lautet dann folgerichtig: „Warum? (Stichworte genügen)“.

Ein Zweifler

Der philosophische Ansatz seiner Schriften macht Frisch, der 1991 verstarb, aktueller denn je. Was ihn außerdem zu einem großartigen Schriftsteller macht, ist sein tiefgründiger Humor und die Liebe zu seinen Mitmenschen – trotz aller Kritik, die er an ihnen übte.

Auch heute noch sind viele der Fragen, die Max Frisch gestellt hat, aktuell und es lohnt sich, darüber nachzudenken. Beantworten Sie einige seiner Fragen in der Community und diskutieren Sie mit anderen Mitgliedern im Diskussionsforum der Gruppe KULTUR – CULTURE darüber!

Zur Community

Max Frisch

Max Frisch (1911 - 1991) war ein Schweizer Schriftsteller. Seine Romane (z.B. Stiller, Homo faber) und Theaterstücke (z.B. Andorra) sind immer noch sehr aktuell. Sie werden an deutschsprachigen Schulen viel gelesen und diskutiert.

Juni 2011

Dieser Text ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz. Möglicherweise unterliegen zusätzliche Inhalte wie Bilder und Videos jeweils zusätzlichen Bedingungen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie einverstanden. Zudem gilt folgende Regelung für die korrekte Benennung der Urheber und Quelle sowie Übersetzungen.

Kommentare

Ouffoue Brou Valentin
28. November 2011

ich habe sein Meisterwerk" Andorra an der studiert und schätze sehr ihre Ideen zum Aufbauen einer integrativen Gesellschaft.Es lohnt sich ihn zu lesen und sogar ihn vorzutragen. Deswegen möchte ich einen Dozenten der Uni Cocody im Goethe Institut für ein Referat über den Autor. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit

Jetzt kommentieren