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Freizeitverhalten der Deutschen

Freizeit, das ist das, was vom Tag übrig bleibt. Die Differenz zwischen 24 Stunden und der Zeit, die man für alles braucht, was erledigt werden muss: Schlafen, Arbeiten, Haushalt, Kinderbetreuung, Einkaufen, Steuererklärung. Wie die Deutschen diese "freie Zeit" verleben, hat die Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen herausgefunden. 6.000 Bundesbürger wurden für die Studie „Freizeit Monitor 2011" befragt.

Durchschnittlich 4 Stunden und 3 Minuten Freizeit haben Deutsche am Tag zur Verfügung, fanden Hamburger Wissenschaftler heraus. Einen Großteil davon verbringen sie auf der heimischen Couch: Unabhängig von Alter, Bildung, Geschlecht oder Familienstand ist und bleibt Fernsehen die beliebteste Freizeitbeschäftigung.

Auch „Telefonieren“ und „Radio hören“ sind in jeder Lebensphase beliebt. Das Internet erreicht nur bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen Platz in den Top 10. Sport taucht gar nicht in den vorderen Rängen auf, stattdessen sind „Ausschlafen“, und „Faulenzen“ auf dem Vormarsch: Die meisten Freizeitaktivitäten seien Passivitäten, so Studienleiter Ulrich Reinhardt.

Geschlechterklischees im Freizeitverhalten

Einige Geschlechterklischees werden von der wissenschaftlichen Studie bestätigt: Frauen lesen fast doppelt so häufig Bücher wie Männer und schreiben doppelt so viele Briefe. Sie nehmen sich mehr Zeit für Körperpflege, Shopping und Telefonate. Männer verbringen die Freizeit lieber in der Kneipe, beim Heimwerken oder bei Sportveranstaltungen – als Zuschauer.

Das sei in seinem Land ganz ähnlich, berichtet Hamid Boukheraz aus Marokko. Er und weitere User des Alumniportal Deutschland haben die deutschen Ergebnisse mit dem Freizeitverhalten in ihren Heimatländern verglichen. Er selbst geht in seiner Freizeit gerne joggen oder fährt mit seiner Familie ans Meer – damit ist er aber nach seiner Einschätzung alles andere als typisch: Marokkanische Männer verbrächten täglich mindestens zwei Stunden im Café, um dort Fußball-Übertragungen anzuschauen, während die Frauen „Einkaufsbummel unternähmen“.

Das Fernsehen – ein weltweiter Freizeit-Hit

Auch im Senegal kommt dem TV-Sportprogramm eine große Rolle zu: „Sonntags zwischen 17 und 20 Uhr sitzen alle Senegalesen vor dem Fernseher, weil Ringkampf gezeigt wird“, berichtet Mamadou Mbaye. Die meisten blieben danach die ganze Nacht wach, um bei starkem Tee über Techniken, Tricks und Fehlentscheidungen dieses Nationalsports zu diskutieren. Viele Leute seien im Senegal ohne Arbeit, so Mamadou Mbaye, und hätten deswegen viel zu viel Freizeit.

Ähnliches berichtet auch Kyrellos Boutros aus Ägypten. Er arbeitet als Deutschlehrer und verbringt seine täglichen vier Stunden Freizeit am liebsten im Internet oder mit der Familie im Café. Der durchschnittliche Ägypter habe aber etwa fünf bis sechs Stunden tägliche Freizeit, vermutet er.

In der Ukraine hingegen hätten die Menschen viel weniger Freizeit als noch vor einigen Jahren, meint Alexander Belyakov aus Kiew. Wegen der Wirtschaftskrise seien viele Menschen gezwungen, zwei oder drei Arbeiten parallel auszuüben. So geht es auch Irina Pinigina-Petrowskaja aus der weißrussischen Hauptstadt Minsk. Höchstens zwei Stunden tägliche Freizeit bleiben ihr, auch am Wochenende muss sie häufig arbeiten. Die kostbare Zeit, die ihr für sich selbst bleibt, verbringt sie mit ihrer Familie, im Internet oder auf dem Fahrrad.

Auch Puneet Nangia aus Indien verbringt seine Freizeit gerne sportlich. Viermal pro Woche geht er ins Fitness Center. Am liebsten aber sitzt er einfach nur mit seinen Eltern zusammen vor dem Fernseher: „Das ist für mich die beste Abwechslung und macht viel Spaß.“ Das sei typisch in Indien.

Und nicht nur da. Egal ob in Afrika, Asien, Südamerika oder Europa: Der Anziehungskraft des Fernsehens kann sich offenbar kaum jemand entziehen – daran kann auch der weltweite Siegeszug des Internets nicht viel ändern.

Auch in der Community wird an vielen Stellen über das Thema Freizeit und über verschiedene Freizeitbeschäftigungen diskutiert. Lesen Sie weiter …

 

 

 

Dezember 2011

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