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Public Viewing: Gemeinsam Sportveranstaltungen ansehen macht einfach mehr Spaß!

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 fing es an: Auf Deutschlands Plätzen, in Sportarenen und sogar am Brandenburger Tor in Berlin trafen sich zehntausende Sportbegeisterte, um gemeinsam die Live-Übertragungen vor allem der Spiele der deutschen Mannschaft auf riesigen Leinwänden zu verfolgen. Seitdem hat das Phänomen „Public Viewing“ einen festen Platz in der deutschen Gesellschaft.

Inzwischen werden nicht nur große Sportveranstaltungen gemeinsam erlebt. Auch beim „Eurovision Song Contest“ treffen sich die Massen. Ein Name für den neuen Trend war schnell gefunden: „Public Viewing“ hört sich zwar sehr modern und international an, bedeutet im Amerikanischen Englisch aber eigentlich etwas ganz anderes, nämlich die öffentliche Ausstellung eines Leichnams.

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 fing alles an

Als die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland stattfand, wurde bald klar, dass es für viele deutsche Fußball-Fans keine Eintrittskarten für diese einmalige Sportveranstaltung geben würde. Deshalb wurden in vielen Städten und Kommunen Großbildwände aufgestellt. So konnten viele tausend Menschen die Live-Übertragungen der Spiele kostenlos verfolgen. „Public Viewing“ wurde diese neue Veranstaltungsart genannt, und bald gab es auch Nachahmer des gemeinsamen Sportschauens. In Kneipen, in Mehrzweckhallen und auch in großen Sportarenen werden nun Sportveranstaltungen übertragen – allerdings eher zu kommerziellen Zwecken, denn dabei wird in der Regel Eintritt verlangt.

Für diese neue Art des Get-Together benutzt man in Deutschland auch das Wort „Rudelgucken“, wenn man den Anglizismus „Public Viewing“ vermeiden möchte. Eine Agentur aus Magdeburg hat sich sogar beim Patentamt ein Recht auf diesen Begriff eintragen lassen, allerding nur in Verbindung mit ihrem eigenen Logo. Es darf also weiter von „Public Viewing“ gesprochen werden.

Public Viewing nicht nur bei Sportveranstaltungen

Das gemeinsame Erleben der Sportveranstaltungen hat den Deutschen so viel Spaß gemacht, dass es mittlerweile auch bei vielen anderen Veranstaltungen Public Viewing gibt, meistens aber in kleinerem Rahmen. So wird auch der alljährliche Eurovision Song Contest (ESC) immer häufiger in großen Gruppen verfolgt: Als der ESC 2011 in Düsseldorf stattfand, sahen über 5.000 Fans die Veranstaltung auf einer großen Leinwand auf der Hamburger Reeperbahn.

Es gibt sogar Kneipen und Restaurants, in denen sich regelmäßig Fans treffen, um deutsche Kultserien wie den „Tatort“ oder die „Lindenstraße“ zusammen anzuschauen und danach miteinander zu diskutieren.

Was ist der besondere Reiz des Rudelguckens?

Für alle, die aus Kostengründen oder Mangel an Eintrittskarten bei einer Sportveranstaltung oder einem Konzert nicht live dabei sein können, ist das Public Viewing eine prima Alternative. Wenn man sich die Bilder von der Fanmeile am Brandenburger Tor ansieht, könnte man fast denken, das Publikum sieht das Spiel live im Stadion. Die Spannung und die Atmosphäre sind (fast) genauso, es liegt also auf der Hand: In der Gruppe die Live-Übertragung eines Spiels oder eines Konzerts mitzuerleben macht Spaß!

Aber es gibt auch noch einen anderen Grund. Der Sportpsychologe Prof. Dr. Jens Kleinert von der Deutschen Sporthochschule Köln spricht im Interview davon, dass die Identifikation mit den anderen Fans und mit der bejubelten Mannschaft den Zuschauern ein positives Selbstbild ermöglicht. Wer beim Public Viewing mit anderen zusammen mitfiebert, ist also „irgendwie“ auch selbst am Erfolg beteiligt.

Es gibt auch Schattenseiten beim Public Viewing

Bei so vielen Menschen und so großen Emotionen kann es aber auch schnell zu Problemen kommen. So beschloss zum Beispiel die Geschäftsführung einer großen Kölner Veranstaltungshalle nach Ausschreitungen im Juni 2012, kein Public Viewing der Fußball-Europameisterschaft mehr zu veranstalten. Einige Störenfriede hatten im geschlossenen Raum Feuerwerkskörper gezündet und Streit mit den Ordnern angefangen. Gerade bei kommerziellen Live-Übertragungen wird oft reichlich Alkohol ausgeschenkt – das verstärkt die Probleme natürlich zusätzlich.

Und trotzdem: Wer schon einmal eine fröhliche Menschenmenge dabei beobachtet hat, wie sie ihrer Mannschaft oder ihrem Lieblingssänger zujubelt, der weiß, dass das Public Viewing seinen Platz im deutschen Unterhaltungsangebot sicher nicht so schnell wieder verlieren wird.

September 2012

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Kommentare

Schicki
17. November 2015

Solange das Ganze nicht eindeutig feststeht, sollte sowohl in elektronischer und in Papierform festgehalten werden was man darüber denkt.

Doppelt hält ja bekanntlich besser.

José Manuel Romo Garcia
30. Oktober 2015

Der Artikel war sehr interessant, ich wusste nicht viele Dinge, die da waren. Ich dachte, dass der Computer nur schlechte Sachen hatte. Jetzt weiss ich, dass es fast das gleiche ist, wie in der Universität sein.
Der Artikel war sehr interessant, ich wusste nicht viele Dinge, die da waren. Ich dachte, dass der Computer nur schlechte Sachen hatte. Jetzt weiss ich, dass es fast das gleiche ist, wie in der Universität sein. Überraschend ist, dass die Kinder, die Bildschirmnutzung gemacht haben, haben eine schlechtere Entwicklung. Vielleicht sollen sie nicht viele Zeit da bleiben. Der Artikel war vor allem nützlich, um mehr zu wissen. Ich hoffe, dass die Leute wenig Bildschirm benutzen.

JMRGM
30. Oktober 2015

Fernando, du solltest nicht hier dein Kommentar schreiben. Du musstest in einem Papier der Kommentar schreiben und zu der Lehrerin mitbringen.

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