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Schützenfest: Eine Tradition wird großgeschrieben – landauf, landab!

Ein Dienstag im Mai, 19 Uhr: Tausende von Menschen säumen die festlich geschmückten Straßen im norddeutschen Städtchen Wildeshausen. Feierlich schreitet der frisch gekürte Schützenkönig durch die Stadt, begleitet von laut schmetternden Fanfaren- und Spielmannszügen in bunten Kostümen.


Weitere Hauptattraktion des Zuges: Unzählige Männer in schwarzen Anzügen und mit lustigen Holzgewehren auf den Schultern – alles Schützen, die sich stolz dem einfachen Volke zeigen. Szenen eines Schützenfests, das jedes Jahr aufs Neue die größte Veranstaltung der Stadt ist.

Schützenfeste sind typisch deutsche Institutionen und werden in vielen Dörfern und Städten der Republik zelebriert. Jahr für Jahr, von Mai bis zum Frühherbst, herrscht Hochkonjunktur. „Wie viele es genau sind, lässt sich nicht sagen“, sagt die Historikerin Prof. Dr. Barbara Stambolis von der Universität Paderborn. Zentren seien aber ganz klar im Norden, weniger im Süden zu finden und eher in Dörfern als in Städten. Zwei bekannte Schwerpunkte gibt es jedoch: Niedersachsen und das Sauerland. Wobei die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover für sich in Anspruch nimmt, das größte Schützenfest der Welt zu feiern.

Schützenvereine: die letzten deutschen Männerdomänen


Die Deutschen sind eben stolz auf ihre lange Tradition der Schützenfeste. „Einige machen sich sogar älter als sie sind“, sagt Stambolis, „angeblich gibt es sie schon seit Karl dem Großen.“ Fakt ist jedoch: „Schützenvereine sind in Deutschland in der frühen Neuzeit entstanden“. Also im 15. Jahrhundert. Von ehrenhaften Bürgern ins Leben gerufen, die mit Armbrust und Gewehr für Ordnung in der Stadt gesorgt haben. Bis etwa zur Französischen Revolution. Dann trat an die Stelle der Ordnungsfunktion der heutige Volksfestcharakter, mit ausgiebigem Tanz und vielen Schützen mit reichlich Alkohol – ausschließlich Männern, versteht sich.

Die Schützenvereine, die das Fest organisieren, sind bis dato fast immer reine Männerdomänen. Eine Frau als Schützenkönigin? Undenkbar! Viele deutsche Schützenvereine wehren sich standhaft gegen die Mitgliedschaft von Frauen. Auf lange Sicht hin jedoch offenbar vergeblich: Seit etwa 30 Jahren, so Stambolis, gäbe es immer mehr Frauen, die ins Schwarze treffen und damit von eigener Hand Schützenkönigin werden. Ein Trend, der in Zukunft noch stärker um sich greifen dürfte, vermutet sie.

Rosige Zukunft


Generell verspricht die Wissenschaftlerin Deutschlands Schützenfesten eine rosige Zukunft: Nach wie vor blieben sie die Hauptfeste, insbesondere in den Dörfern. Mit ihren festen Strukturen hätten die Schützenvereine außerdem eine wichtige soziale Bedeutung. Nachwuchssorgen? Kein Thema! Denn schon die junge Generation übt sich früh in der Tradition – etwa in dorfeigenen Spielmanns- und Fanfarenzügen. Und wer weiß: Vielleicht marschieren bald schon die weiblichen Mitglieder ganz vorn mit: als Schützenköniginnen!

Was halten Sie von dieser deutschen Tradition des Schützenfestes? Haben Sie schon einmal bei einem Schützenfest mitgefeiert? Was hat Ihnen besonders gefallen? Was hat Sie abgeschreckt? Was meinen Sie: Sollen Frauen Schützenköniginnen werden? Oder soll es eine Männerdomäne bleiben? Tun Sie Ihre Meinung kund – im Forum.

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Juli 2011

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