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Der Name Humboldt ist in aller Munde

Nach niemandem ist mehr benannt worden: Alexander von Humboldt ist nicht nur im Humboldtjahr 2019 allgegenwärtig, sondern auch auf Weltkarten und in Lexika. Sogar im Weltall taucht sein Name auf.

Durch Deutschland zieht sich ein dichtes Netz von Humboldtstraßen und -alleen, auf den Karten tauchen zahlreiche Humboldt-Plätze, Humboldt-Brücken und natürlich Humboldt-Schulen auf. Keine Überraschung in der Heimat des Forschers.

Je weiter man sich von Deutschland entfernt, desto erstaunlicher werden die Bezüge, desto eigentümlicher und fremder klingt der deutsche Name. Es gibt Pflanzen und Tiere, Städte und Buchten, Berge und Gewässer seines Namens.

Seine Biografin Andrea Wulf geht davon aus, dass nach keinem anderen Menschen mehr Objekte benannt worden sind. Objekte, die über Humboldts Reiserouten hinausweisen: Mit den Namen lassen sich auch die Wege seines Ruhmes nachzeichnen.

Ehre, wem Ehre gebührt

Als Alexander von Humboldt zum ersten Mal Namenspatron wurde, war er zwar noch kein wissenschaftlicher Weltstar, doch keinesfalls ein Unbekannter. 1795 hatten ihn seine Reisen zunächst in europäische Landstriche geführt. Er optimierte den preußischen Bergbau, plante, forschte, publizierte. Dennoch: Er war ein „Jenaer Kräuterforscher“, wie ihn Johann Jacob Hartenkeil in der Medicinisch-Chirurgischen Zeitung beiläufig nennt. In dem Artikel ging es um einen exotischen Hülsenfrüchtler. Das Gewächs aus Sri Lanka heißt „Humboldtia laurifolia“.

Die Benennung einer Art fällt ihrem Erstbeschreiber zu. Oft werden so Vorbilder, Freunde und Kollegen gewürdigt. Andrea Wulf zählt fast 300 Pflanzen und mehr als 100 Tiere mit dem Namen Humboldt. Zum Vergleich: Der hochdekorierte britische Zoologe John Edward Gray, einer der eifrigsten auf dem Gebiet der Taxonomie, hat um die 300 Spezies selbst beschrieben. Nach ihm benannt ist jedoch bloß ein Bruchteil.

„So wie ich für den Penguin gehorsamst danke“

Auch Gray hat Humboldt gewürdigt: Er verlieh dem Patagonischen Skunk 1837 den wissenschaftlichen Namen „Conepatus humboldtii“ (siehe Titelbild).

Markanter als das kleine Raubtier ist wohl der Humboldt-Pinguin, wirkungsvolle Bildmarke etwa von avhumdoldt250.de. Der an der chilenischen und peruanischen Pazifikküste, also direkt am Humboldtstrom, beheimatete Vogel wurde erstmals 1834 von Franz Julius Ferdinand Meyen wissenschaftlich beschrieben. Dieser ging davon aus, dass es wiederum Humboldt war, der das Tier auf seiner Amerikareise entdeckt habe.

„Ihre Abhandl[ung], die gedrukte, werde ich mit Interesse lesen, so wie ich für den Penguin gehorsamst danke“ schrieb Humboldt daraufhin an seinen Kollegen.

Zahlreiche weitere Tiere und Pflanzen heißen wie der preußische Universalgelehrte:

eine südamerikanische Fledermausart, der zierliche Humboldt-Totenkopfaffe aus dem Amazonasgebiet, Blutparasiten genauso wie Pilze, Veilchen, filigrane Orchideen und die markant blühende Humboldt-Lilie in Kalifornien. Durch den Humboldt-Strom kreuzt auch der furchteinflößende Humboldt-Kalmar. Und in tschechischen Braunkohlerevieren wurde ein Mineral mit Seltenheitswert entdeckt: Humboldtin erinnert daran, dass die Karriere des Forschers im Bergbau begann.

Karte und Gebiet

Auch Gipfel, Gewässer und ganze Gegenden tragen den Namen. Der zweithöchste Berg Venezuelas wurde 1911 von seinem Erstbesteiger Alfredo Jahn Pico Humboldt genannt. Dort findet sich auch Venezuelas letzter, der Humboldt-Gletscher, mit dessen Verschwinden in den nächsten Jahren zu rechnen ist. Eine Eismasse gleichen Namens existiert in Grönland, zudem das Alexander-von-Humboldt-Gebirge in der Antarktis, ein Humboldt-Gebirge in Tibet, in Neukaledonien gibt es einen Mont Humboldt, Humboldt Mountains auch in Neuseeland. Der Pik Alexander von Humboldt in Kirgisistan überragt seinen venezolanischen Namensvetter mit 5020 Metern um stolze 68 Meter.

Humboldt hat es auch ins Weltall geschafft. Als Johann H. Mädler im 19. Jahrhundert an Karten des Mondes arbeitete, dachte er an den unermüdlichen Forscher: Eine Tiefebene auf dem Erdtrabanten heißt seither Mare Humboldtianum, Humboldt-Meer. Ein niederländisches Forscherteam benannte 1973 zudem einen Asteroiden nach dem Verfasser der „Kosmos“-Abhandlungen.

Hinzu kommen Ortschaften und Gemeinden namens Humboldt: Kuba hat den Parque Nacional Alejandro de Humboldt, in der kanadischen Provinz Saskatchewan wie auch im argentinischen Santa Fe gibt es Orte namens Humboldt. Die USA kommen auf acht Orte und drei Landkreise, so genannt mit Humboldts Pioniergeist im Hinterkopf.

Der amerikanische Entdecker John C. Frémont gab dem Humboldt River seinen Namen. Der Fluss entspringt teilweise im Humboldtgebirge und durchfließt Nevada. Humboldt ist dessen ältestes County. Als der US-Bundesstaat sich 1864 konstituierte, war statt des spanischen Wortes für Schneefall gar der Name Humboldt im Gespräch.                                                    

War Humboldt im 19. Jahrhundert weltweit gefeiert und wurde selbst von Napoleon um seinen Ruf beneidet, ließen Euphorie – und damit die Würdigungen – im 20. Jahrhundert nach. Die Begeisterung war Skepsis, auch offener Feindseligkeit den Deutschen gegenüber gewichen.

In Südamerika erinnern noch die Wettkämpfe der deutschsprachigen Schulen, die Juegos Humboldt, an den Preußen. Im englischsprachigen Raum ist die Erinnerung an ihn hingegen blasser geworden.

Überhaupt wird nur noch selten auf den Namen Humboldt getauft. Zuletzt wollte die Deutsche Bahn die Züge ihrer neuen ICE-Flotte nach prominenten Deutschen benennen: Erich Kästner etwa, Marlene Dietrich, natürlich Alexander von Humboldt – und Anne Frank. Das Vorhaben wurde als pietätlos kritisiert, der Plan alsbald verworfen. Stattdessen sollen die Züge nach Bergen, Flüssen und Regionen benannt werden.

Im vergangenen Jahr kam kam ein weiterer Humboldt hinzu. Auf Schloss Goldkronach bei Bayreuth stellte eine Schleswig-Holsteinische Rosenschule ihre neue Züchtung vor: die leuchtend rote Alexander-von-Humboldt-Rose.

 

Autor: Christopher Wasmuth

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf dem Blog zum Humboldt-Jahr der Alexander von Humboldt-Stiftung publiziert.

September 2019

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