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Neue Medien: Kommunikation in Afrika

Das Handy klingelt. Bettina Frei wirft einen Blick auf das Display. Es ist das Handy, auf dem nur ihre Bekannten aus Kamerun anrufen. Hier steckt meist im Klingeln schon die Botschaft. Die Kameruner nutzen neue Medien kreativ: So haben sie oft Klingelton-Codes entwickelt, mit denen sie Nachrichten kostenlos austauschen.

Beim so genannten „beeping“ bedeutet zum Beispiel mehrmaliges, kurzes Klingeln „Ruf mich zurück“. Einmal Klingeln kann einen Gruß bedeuten. Auch andere Bedeutungen sind möglich, je nachdem, was die Kommunikationspartner miteinander vereinbart haben.

Beim Telefonieren zahlt immer derjenige die Kosten, von dem man glaubt, dass er mehr verdient. „Wer also häufig um Rückruf gebeten wird, gilt als recht wohlhabend“, sagt Bettina Frei. Es ist üblich, dass Migranten im Ausland um Rückruf gebeten werden, weil man davon ausgeht, dass es ihnen wirtschaftlich besser geht.

Neue Medien: Fünf Universitäten forschen gemeinsam

Die Wissenschaftlerin von der Universität Basel promoviert im Projekt „Passages of Culture“. Dabei arbeiten fünf Universitäten aus Europa und Afrika zum Thema Medien und sozialer Wandel in unterschiedlichen afrikanischen Gesellschaften. Die Ethnologin hat in Bamenda, einer Stadt in Kamerun mit etwa 400.000 Einwohnern, untersucht, wie die Bevölkerung neue Medien wie Mobiltelefone und Internet nutzt.

Die andere Perspektive der Kommunikation in Afrika beleuchtet ihr Kollege Primus Tanzanu. Der Kameruner erforscht, wie seine Landesleute, die im Ausland leben, den Kontakt nach Hause halten. Dabei kann er seine eigenen Erfahrungen einbringen, denn der kamerunische Ethnologe lebte in den vergangenen Jahren in verschiedenen Ländern Europas. Heute arbeitet er in Deutschland an der Universität Freiburg „Wir arbeiten über dieselben Themen aus unterschiedlichen Perspektiven“ sagt Bettina Frei.

Neue Medien öffnen Perspektiven

„Der Kontakt zu Kamerunern im Ausland ist für die Daheimgebliebenen sehr wichtig“, betont die Ethnologin. Vor allem viele Jugendliche träumen vom Ausland. Neue Medien, besonders das Internet, sind für viele der relativ gut ausgebildeten jungen Leute wichtige Instrumente der Kommunikation. „Das Internet wird aber tendenziell anders genutzt als beispielsweise in Deutschland“, sagt Bettina Frei. Zum Beispiel verwenden sie weniger Suchmaschinen zur Informationssuche – viele Fragen können auch innerhalb sozialer Netzwerke beantwortet werden. Hier spielen persönliche Kontakte und Beziehungen eine wichtige Rolle.

„Kameruner erwarten, dass Freunde und Verwandte im Ausland den Kontakt aufrecht erhalten“, sagt Bettina Frei. Denn durch die neuen Medien kann man heute trotz der Entfernung verbunden sein. Aber diese Verbundenheit über eine große Distanz verursacht auch Missverständnisse und Probleme: „Häufig ist der Vorwurf zu hören: Warum rufst Du mich nicht regelmäßig an?“, berichtet die Ethnologin. Jeder entfernte Bekannte oder ehemalige Klassenkamerad erwartet, dass der im Ausland lebende Landsmann ihn zurückruft, sobald er den entsprechenden Klingelton hört.

Der Grund für die Erwartungen, dass Migranten die Kosten für die Kommunikation übernehmen und die Angehörigen und Freunde in Kamerun auch finanziell unterstützen, ist die Vorstellung vom Westen als einer Welt voller Möglichkeiten, wo es allen ökonomisch viel besser geht.

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Wie haben Sie während Ihres Aufenthaltes in Deutschland den Kontakt in die Heimat gehalten? Wie bewerten Sie die Möglichkeiten, die neue Medien bieten? Verfolgen Sie den Videoblog "Wie beept Afrika?" oder diskutieren Sie mit uns in der Gruppe „Netzwerke im Internet - eine Plattform für alle?“ Community Gruppe: Netzwerke im Internet - eine Plattform für alle?

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November 2011

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Kommentare

Fitsum Tarekegn
11. Dezember 2011

Das Klingt Gut! Ich hat eine Vosrchlag . Das ist Technology Project muss verbringen Kulture nach macht sonder perspective.

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