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Das Klimaschutz- und das Bundeskanzler-Stipendium der Humboldt-Stiftung

Am Klimaschutzstipendium und am Bundeskanzler-Stipendium der Humboldt-Stiftung nehmen jedes Jahr bis zu 30 Nachwuchsführungskräfte aus verschiedenen Ländern teil. Hier finden Sie zwei Erfahrungsberichte von Zhong Zhen und Wan Bing, ehemaligen Humboldt-Stipendiaten aus China.

Internationale Stipendien der Humboldt-Stiftung

Die Alexander von Humboldt-Stiftung fördert seit 1953 internationale Wissenschaftskooperationen und pflegt aktuell ein weltweites Netzwerk von über 27.000 Humboldtianern – den Alumni der Stiftung – in mehr als 140 Ländern, darunter 54 Nobelpreisträger. Sie vergibt jährlich über 700 Stipendien und Preise, mit denen Wissenschaftler aus dem Ausland nach Deutschland kommen, um ein selbst gewähltes Forschungsprojekt mit einem Gastgeber und Kooperationspartner durchzuführen. Wissenschaftler aus Deutschland können als Stipendiaten ein Forschungsprojekt bei einem Humboldtianer im Ausland verwirklichen. Um Mitglied der Humboldt-Familie zu werden, zählt nur eines: die persönliche exzellente Leistung. Es gibt keine Quoten, weder für einzelne Länder noch für einzelne akademische Disziplinen.

Internationales Klimaschutzstipendium der Humboldt-Stiftung

Aus Mitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit werden jährlich bis zu zwanzig Internationale Klimaschutzstipendien an Nachwuchsführungskräfte aus Schwellen- und Entwicklungsländern vergeben. Die Stipendiaten können damit in Deutschland ein Jahr an einem forschungsnahen Projekt im Bereich Klima- und klimarelevantem Ressourcenschutz in Kooperation mit einem Gastgeber arbeiten.

Lebenslange Förderung ehemaliger Stipendiaten

Ein Alleinstellungsmerkmal der Humboldt-Stiftung ist die Möglichkeit der lebenslangen Förderung ehemaliger Stipendiaten und Preisträger. Nicht umsonst ist oft von der Humboldt-Familie die Rede! Das Motto lautet: Einmal Humboldtianer, immer Humboldtianer. Denn auch nach dem ersten Forschungsaufenthalt hält die Stiftung mit den Alumni eine enge Verbindung und unterstützt flexibel die individuellen Lebenswege und Entwicklungen aller Humboldtianer und ihre Kooperationen untereinander.

Zhong Zhens Beispiel zeigt, wie gut das in der Praxis funktioniert. Sie ist heute Assistant Professor an der Art School der Xiamen University und immer noch in Kontakt mit ihrem deutschen Gastgeber und anderen Kooperationspartnern, die sie in Deutschland kennengelernt hat. Im Juli letzten Jahres haben ihr Institut und die Hochschule Osnabrück einen gemeinsamen Workshop zum Thema Upcycling in Xiamen veranstaltet. Für das Jahr 2015 plant die junge Mutter wieder eine Reise nach Deutschland: „Ich habe dort Freunde fürs Leben gefunden und bin sehr offen und freundlich aufgenommen worden“. Ende September 2014 gab es ein regionales Netzwerktreffen ehemaliger Klimaschutz-Stipendiaten der Humboldt-Stiftung in Indonesien, zu dem auch Zhong Zhen eingeladen war. Der interdisziplinäre Austausch ist für sie seit ihrer Zeit in Deutschland unverzichtbar geworden: „Mein Stipendium in Deutschland war eine einzigartige Erfahrung. Die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern anderer Disziplinen hat meine Arbeit bereichert und mir geholfen, mein Projekt mit anderen Augen zu sehen.“

China als wichtiger Partner der Humboldt-Stiftung

Chinesische Bewerber sind in der Humboldt-Stiftung traditionell stark vertreten: Jede sechste Bewerbung kommt aus China. Das Land gehört zu den wichtigsten Partnern der Stiftung. Abgesehen von den Forschungsstipendien, die allen Ländern offen stehen, richtet sich mit dem Bundeskanzler-Stipendium für junge Nachwuchsführungskräfte ein Förderprogramm der Humboldt-Stiftung speziell an Bewerber aus China. Es gibt jungen Absolventen die Chance, ein eigenes berufliches Projekt in Deutschland und mit einem deutschen Kooperationspartner zu realisieren. Das ursprünglich für die USA und Russland ins Leben gerufene Programm steht unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel und wurde auf ihre Initiative hin 2005 auf China und 2013 auf Brasilien und Indien erweitert.

Der chinesische Wirtschaftswissenschaftler Wan Bing kam 2010 als Bundeskanzler-Stipendiat nach München. Mit seinem Projekt wollte er deutsch-chinesische Geschäftsbeziehungen im Bereich der Umwelttechnologie fördern. „Das Stipendium ermöglichte mir einen 360-Grad-Blick auf Deutschland und gab mir die Gelassenheit und das Zutrauen, meine berufliche Karriere, die Deutschland mit meinem Heimatland China verbindet, weiter zu verfolgen“, sagt er rückblickend. Und das tat er überaus erfolgreich: Heute ist er Projektmanager im Sektor Healthcare bei Siemens und steuert von Deutschland aus Aktivitäten zum Thema Geistiges Eigentum in aufstrebenden Märkten wie unter anderem China.

Bundeskanzler-Stipendium der Humboldt-Stiftung

Im Bundeskanzler-Stipendienprogramm werden jedes Jahr jeweils bis zu zehn Stipendien an Nachwuchsführungskräfte aus Brasilien, China, Indien, Russland und den USA vergeben. Finanziert werden die Bundeskanzler-Stipendien aus Mitteln des Auswärtigen Amts. Im Rahmen eines einjährigen Aufenthalts in Deutschland führen die Bundeskanzler-Stipendiatinnen und -Stipendiaten in Kooperation mit Fachkollegen an einer deutschen Gastinstitution ein selbst gewähltes Projektvorhaben durch. Bewerbungen für Bundeskanzler-Stipendien können jedes Jahr bis zum 15. September eingereicht werden.

Humboldt-Stipendiaten als Botschafter Deutschlands

Und auch nach Förderung besteht weiter ein enger Kontakt zur Humboldt-Stiftung, die ihn für das 5. Lindau Meeting on Economic Sciences im August 2014 nominierte, ein Treffen von 18 Wirtschafts-Nobelpreisträgern mit 460 Nachwuchswissenschaftlern aus aller Welt. In diesem Jahr hatte zusätzlich die World Childhood Foundation alle Teilnehmer zu einem Wettbewerb eingeladen. Es galt, eine Marketingstrategie zu entwickeln, wie sich Unternehmen durch eine Kooperation mit Childhood gesellschaftlich engagieren könnten. Wan Bing gewann den Wettbewerb mit seiner Idee „Love knows no distance“, die sich für Kinder und deren Eltern in China einsetzt, die durch Arbeitsmigration getrennt sind.

Die Stifterin der Childhood Foundation, Königin Silvia von Schweden, überreichte ihm persönlich den „Global Childhood Award 2014“. Anschließend traf er sogar noch die deutsche Bundeskanzlerin und konnte ihr erzählen, dass er dank des Bundeskanzler-Stipendiums in Deutschland ist. „Dank der Nominierung durch die Humboldt-Stiftung konnte ich einzigartige Erfahrungen machen und Eindrücke gewinnen, die mich mein Leben lang begleiten werden“, sagt der stolze Humboldtianer.

Auch Zhong Zhen will als Botschafterin Deutschlands den internationalen kulturellen Dialog und wissenschaftlichen Austausch weiter fördern: „Ich versuche die aktuelle Forschung zu Umweltthemen zu verfolgen und finde immer neue Inspiration, wenn ich mit Experten aus anderen Ländern und Bereichen diskutieren kann.“ In den letzten Jahren habe in China ein Umdenken eingesetzt und Ideen wie vertikale Gärten und Wandbegrünung in Städten seien ein Thema geworden. Zhong Zhen und Wan Bing werden weiter dazu beitragen, Antworten auf die globalen Fragen unserer Zeit zu suchen.

Autorin: Kristina Güroff – Alexander von Humboldt-Stiftung

Mai 2015

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