Diversity Management sorgt für Vielfalt in Unternehmen

In der aktuellen Debatte um Diversity Management geht es bei deutschen Unternehmen vor allem um die Frauenquote. Diese ist wichtig, weil noch viel zu wenige Frauen Führungspositionen innehaben. Aber Vielfalt bedeutet mehr.

Diversity Management – zu Deutsch Vielfaltsmanagement – ist eine Art der Unternehmensführung, bei der das Augenmerk auf die Heterogenität der Angestellten gelegt wird. Der Individualität wird ebenso wie der Integration von Minderheiten und dem Herstellen von Chancengleichheit ein hoher Stellenwert zugeschrieben.

Vielfalt wird für die deutsche Wirtschaft zur Überlebensfrage

Diversity Management hat zum Ziel, personelle und kulturelle Vielfalt in einem Unternehmen zu erreichen – zum Nutzen aller Beteiligten. Viele Maßnahmen betreffen natürlich die Personalpolitik, da die Voraussetzung eine „bunt gemischte“ Belegschaft ist. Die personelle Vielfalt wirkt sich dann auf alle Geschäftsfelder aus: auf die Mannigfaltigkeit der Produkte sowie auf die Art, Geschäfte zu betreiben. Und das ist nicht nur gut für die Entwicklung des Unternehmens, sondern fördert auch ein positives Arbeitsklima.

„Diversität insgesamt wird für die Wirtschaft zur Überlebensfrage“, sagt BASF-Arbeitsdirektorin Margret Suckale in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit. „Erst in der Summe der verschiedenen Erfahrungen entsteht das, was wir brauchen, nämlich gelebte Vielfalt. Also benötigen wir den deutschen Chemiker genauso wie die indische Ingenieurin.“

Charta der Vielfalt e. V.

Die „Charta der Vielfalt“ ist eine Unternehmensinitiative deutscher Großunternehmer zur Förderung von Vielfalt in Unternehmen. Träger der Initiative ist seit 2010 der gemeinnützige Verein Charta der Vielfalt e.V. Mit der „Charta der Vielfalt“ können Unternehmen eine Absichtserklärung zur Förderung und Wertschätzung gesellschaftlicher Unterschiede abgeben.

Diversity Management macht Unternehmen erfolgreich

Letztendlich dient Diversity Management dem wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Denn Firmen profitieren von hervorragenden Mitarbeitern. Und diese bekommen sie, wenn sie eine wertschätzende Unternehmenskultur fördern. Ein Hauptaspekt ist die Anerkennung der Leistung aller Mitarbeiter. Diese sind dann motiviert, ihr Potenzial zum Nutzen des Betriebs einzubringen.

Aber auch in der „Buntheit“ des Personals selbst liegt ein Erfolgsfaktor: Aufgeschlossene Unternehmen, die auf Vielfalt setzen, sind häufig kreativer und innovativer und erwirtschaften so mehr Gewinn.

Vielfalt statt Einfalt beim Personal

Für die Personalabteilung bedeutet Diversity Management also, gleichberechtigt junge und alte Männer und Frauen, Menschen mit und ohne Behinderung, aller Ethnien und Religionszugehörigkeiten und ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung einzustellen. Mehr noch: Unternehmen müssen allen Mitarbeitern die gleichen Karrierechancen ermöglichen.

Zu den Vorreitern im Diversity Management gehört der Autobauer Ford. Im Kölner Werk arbeiten Menschen aus über 55 unterschiedlichen Nationen. Das Kalkül: Je vielfältiger die Belegschaft, desto ausgewogener sind die Lösungen und damit auch die Produkte. Und desto vielfältiger ist auch der Kundenstamm. „Diversity verkauft letztlich auch Autos“, sagt Brigitte Kasztan, zuständige Diversity-Managerin bei Ford Europa.

Nicht nur Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund verfügen häufig über großes Potenzial, sondern auch ältere, gehandicapte und homosexuelle Mitarbeiter. Einige Firmen haben dies für sich erkannt und im Rahmen des Diversity Managements konkrete Schritte unternommen.

Beispiele für Diversity Management in Unternehmen

BMW verfolgt in einem Werk in Dingolfing beispielsweise erfolgreich das Thema der Alters-Diversity: Um ältere Mitarbeiter in der Produktion länger einsetzen zu können, achtet das Unternehmen auf ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze und Auszeiten für Dehnübungen. BMW hat sogar eigens Physiotherapeuten angestellt. Bei der Metro Group machen ältere Mitarbeiter schon jetzt mehr als ein Drittel der Belegschaft aus. Dazu kommen rund 5.500 Menschen mit Handicap.

IBM hat ein Projekt mit Tausenden Mitarbeitern ins Leben gerufen (Worldwide LGBT Reverse Mentoring), dessen Fokus der Umgang mit Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen am Arbeitsplatz ist. „Ein gutes Beispiel für diese Art von Diversity Management sind Unternehmen im Silicon Valley, aber auch in der Start-up-Szene in Berlin, in der sehr viele Homosexuelle arbeiten“, sagt Stuart Cameron, der Veranstalter von STICKS & STONES, der größten schwul-lesbischen Karrieremesse in Berlin.

Ob Unternehmen nun wollen oder nicht, sie werden künftig auf Diversity Management setzen müssen. Denn der Fachkräftemangel und die veränderte Bevölkerungszusammensetzung lässt ihnen keine andere Wahl, wenn sie im Wettbewerb bestehen wollen.

Dezember 2013

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Kommentare

Miriam Moser
28. Dezember 2013

Lieber Sam,
interessant, Ihre Firma macht ja genau das, worum es in dem Artikel geht. Da hätte ich Sie ja interviewen können. Und es ist sehr vorbildhaft, welche Rahmenbedingungen die südafrikanische Regierung für eine gute Durchmischung der Belegschaft / zum Diversity Management bietet. Die South-Africa German Training Services berät deutsche Firmen wie BASF, Liebherr, Bayer, Merck und ThyssenKrupp. Soweit ich verstehe in Südafrika. Wäre es nicht einfach für diese Firmen, ihr in Südafrika angewendetes Diversity Management auf die deutschen Standorte zu übertragen? Inwieweit tun sie das?

Sam Tsima
18. Dezember 2013

Lieber Miriam! Naturalich, die Suedafrikanisce Firmen sind gesetzlich verpflichtet einen Diversity Management, Employment Equity, Disability Management, and Black Economic Empowerment einzufuhren und Mitarbeitern daruber zu trainieren. Ich bin seit 1995 Spezialist solchen Intventionen gearbeitet. Ich habe mein eigennen firma, COMETSA Group, und bieten Seminare und Workshops an. Wir sind Mitglieder von Deutscher-Suedafrikanischer Handelskammer in Johannesburg. Ich bin auch Vorstandmitglieder der South-Africa German Training Services, eine Tochtergesellschaft der Deutscher-Suedafrikanischer Handelskammer in Johannesburg und Soweto. Siehe www.cometsa.co.za

Miriam Moser
18. Dezember 2013

@Mohammed Ghorab:
I think the aspect of sustainability is very important. Diversity creates stability. Of which ultimately benefits everyone. Thank you for your comment!

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