Erfolgreich im Job-Interview

Wenn Sie eine Einladung zu einem Job-Interview erhalten, haben Sie einen guten Grund, sich über den Erfolg zu freuen und selbstbewusst in das Gespräch zu gehen. Sie gehören zu den besten Bewerber*innen und haben mit Ihren Unterlagen überzeugt!

Nun möchten die Personalentscheider ihren positiven Eindruck aus ihren Unterlagen bestätigt wissen und offene Fragen klären. Entsprechend finden Job-Interviews zumeist in einer angenehmen und wohlwollenden Atmosphäre statt. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist herauszufinden, ob Sie in die Unternehmenskultur passen oder Ihnen die Arbeitsweise liegt. Werden Sie mit Ihrem zukünftigen Vorgesetzten auskommen? Passen Sie in das Team? Stimmen die Rahmenbedingungen und Konditionen mit Ihren Wünschen und Vorstellungen überein?

Das alles sind Fragen, die auch Sie sich stellen sollten. Die Entscheidung für einen Job ist immer beidseitig.

Wie bereite ich mich vor?

Vorstellungsgespräche werden in unterschiedlichen Varianten geführt. Denkbar ist ein lockeres, nahezu informelles Gespräch mit dem zukünftigen Vorgesetzten oder Team. Oder es wird ein streng standardisiertes Verfahren mit vorgegebenem Frageraster angewendet. Die Antworten des Bewerbers werden hier anhand eines festen Kriterienkataloges durch ein Gremium überprüft.

Zunächst sollten Sie versuchen, herauszufinden, wie Interviews bei ihrem Ziel-Arbeitgeber geführt werden. Quellen sind hier der Arbeitgeber selbst, ihre sozialen Netzwerke oder Arbeitgeber-Bewertungs-Plattformen wie beispielsweise in Europa „kununu“.

Bei Internationalen Organisationen oder der EU werden in der Regel standardisierte Verfahren verwendet. Die Verfahren sind zumeist transparent und ermöglichen eine gezielte Vorbereitung. Eine Auseinandersetzung mit den Auswahlverfahren ist hier ein Muss, um erfolgreich zu sein.

Um Inhalte des Interviews vorauszusehen, sollten Sie sich die Frage stellen: Was braucht der Arbeitgeber? Hinweise hierzu entnehmen Sie der Stellenausschreibung, Hintergrundinformationen aus der Webseite des Arbeitgebers und den oben genannten Quellen.

Schreiben Sie sich alle Anforderungsmerkmale auf: Welche Qualifikationen, Erfahrungen und Persönlichkeitsmerkmale wird der Arbeitgeber vermutlich erwarten? Schreiben Sie zu jedem Punkt konkret, am besten anhand von Beispielen auf, was Sie mitbringen. Bei welcher Gelegenheit hat sich z.B. Ihre analytische Fähigkeit gezeigt? Was hat Sie in dieser Situation ausgezeichnet?

Dumme Fragen gibt es nicht

In einem virtuellen Coaching für Community-Mitglieder des Alumniportal Deutschland machten wir folgende Erfahrung: Die meisten Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Coachings fühlten sich in der Darstellung ihrer fachlichen Kompetenzen sicher. Unsicherheit bereitete eher die Aussicht auf nichtfachliche Fragen, deren Sinn sich nicht immer gleich erschließt.

Nicht-fachliche Fragen beziehen sich genauso auf Anforderungsmerkmale des Stellenprofils wie fachliche Fragen. Unsere Teilnehmer und Teilnehmerinnen machten die Erfahrung, dass sie sich auf diese wie auf Fachfragen vorbereiten können!

Fragen zu Ihrer Persönlichkeit

Es wäre wirklich schade, wenn Sie im Interview zum ersten Mal darüber nachdenken, was Ihre Persönlichkeit, vor allem mit Bezug auf das angestrebte Tätigkeitsfeld, auszeichnet. Da es für viele ungewohnt ist, über sich positiv zu sprechen, hier einige Fragen für Ihre Vorbereitung. Notieren Sie für jede Frage Ihre Antwort.

  • Welche Aufgaben fallen Ihnen leicht? Was tun Sie besonders gerne?
  • Was fällt Ihnen schwer, was tun Sie weniger gern?
  • Auf welche Leistung sind Sie stolz? Was macht Sie daran stolz?
  • Welche positiven Eigenschaften zeichnen Sie aus? Welche 5 Eigenschaften charakterisieren Sie am besten?
  • Welches Feedback erhalten Sie von Vorgesetzten, Kollegen und Kolleginnen? Wie würden diese Sie beschreiben? Welche Kritik, welche Verbesserungsvorschläge erhalten Sie?

Diese Vorbereitung wird Ihnen helfen, flüssig und authentisch auch nicht-fachliche Fragen zu beantworten.

Was ist eine gute Schwäche?

In der Frage nach Ihren Stärken und Schwächen möchte Ihr Gegenüber mehr über Ihre Persönlichkeit erfahren. Ihre Stärken sollten sie stellenbezogen formulieren – z.B. „Welche ihrer persönlichen Eigenschaften machen Sie zu einem guten Manager?“.

Mit der Frage nach den Schwächen möchte man vor allem eins erfahren: Sind Sie zu einer Selbstreflektion fähig? Zeigen Sie Entwicklungsfähigkeit?

Die Antwort „Ich habe keine Schwächen“ grenzt demzufolge an ein KO-Kriterium.

Mit dieser Vorbereitung sollten Sie auch Fragen zu Ihrer Persönlichkeit und Ihren Stärken und Schwächen beantworten können, ohne bei der Nennung von Schwächen auf Stereotypen zurückzugreifen, die Personaler oft auf die Palme bringen. Zu oft hören diese „Ungeduld“ und „Perfektionismus“.

Es gibt Verhaltenseigenschaften eines Menschen, die je nach der Situation, in der sie gezeigt werden, als Stärken bzw. als Schwächen bewertet werden. „Hilfsbereitschaft“ kann in einer konkreten Situation eine Stärke, in einer anderen eine Schwäche sein (und umgekehrt).

Zudem gilt es Schwächen zu nennen, mit denen Sie umzugehen lernen und mit denen Sie keinesfalls Ihren beruflichen Erfolg in Frage stellen. „Bei Belastung verliere ich schnell den Überblick“, „bei meinen Kollegen gelte ich als unzuverlässig“, sind Äußerungen, die fehl am Platz sind.

Ein so formuliertes Beispiel einer Schwäche könnte sein, falls Sie sich nicht als Moderator bewerben: „Noch fällt es mir schwer, vor großen Gruppen zu sprechen.“

Oder, falls Sie sich nicht als Manager*in bewerben: „Mir fällt es noch schwer, bei meinen Kollegen nein zu sagen. Ich neige dazu, zu viele Aufgaben anzunehmen.“

Seien Sie in der Beschreibung so offen und authentisch wie möglich. Wenn Sie eine Schwäche nennen, erwähnen Sie immer gleich, was Sie lernen möchten, um sich in diesem Punkt zu verbessern.

Verhalten im Interview

Sehen Sie das Interview als Chance, Ihre Eignung für die Position und Ihre Motivation zum Ausdruck zu bringen.

  • Überzeugen Sie Ihr Gegenüber davon, mit Ihnen die richtige Wahl zu treffen. Liefern Sie entsprechende jobrelevante Argumente.
  • Wiederholen Sie, was in Ihren Bewerbungsunterlagen steht und führen Sie einzelne Punkte beispielhaft auf.
  • Sprechen Sie positiv über sich. Machen Sie Ihre Stärken aktiv deutlich „Ich bin Experte in“, „Ich verfüge über hervorragende Kenntnisse in“, „Ich habe langjährige Erfahrungen in“, „Ich erzielte“, „Mir gelang es“.
  • Vermeiden Sie es, auf eventuelle Schwachpunkte (z.B. nur wenig Erfahrung in einem Bereich) selber hinzuweisen.
  • Beantworten Sie Fragen nicht zu kurz – die Entscheider können nur beurteilen, was sie hören oder sehen. Ihre Kompetenzen müssen nachvollziehbar sein.
  • Zeigen Sie Ihre Bereitschaft zu lernen und sich zu entwickeln.
  • Zeigen Sie die Fähigkeit zur Selbst-Reflektion: Was zeichnet Sie aus, fachlich wie persönlich? Worin sehen Sie Ihre Stärken? Worin möchten Sie besser werden?

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!

Autorin: Andrea Gramoll (Schmidt Gramoll Partnerschaftsgesellschaft, Karriereberaterin)

Über die Autorin

Andrea Gramoll arbeitet seit über 20 Jahren als Beraterin, Trainerin und Coach in den Bereichen Management- und Personalentwicklung. In individuellen Karriere- und Potenzialberatungen berät sie erfolgreich Kandidaten und Kandidatinnen in der Karriereplanung, der Profilentwicklung und bei beruflichen Veränderungen. Sie unterstützt ihre Kunden dabei, ihr Selbstmarketing zu optimieren und Bewerbungsunterlagen entsprechend den jeweiligen Karrierezielen und Anforderungsprofilen strukturiert und aussagekräftig zu gestalten. Sie bereitet zudem auf Einstellungsinterviews und Assessment Center vor – und führt selbst im Auftrag ihrer Kunden Assessment Center durch. Nationale und internationale Kunden profitieren von ihren weitreichenden Kenntnissen über Verfahren der Personalauswahl in internationalen Organisationen, dem öffentlichen Dienst sowie zahlreichen Branchen aus Industrie und Dienstleistung. 2015 gründete sie gemeinsam mit Klaus Schmidt die Schmidt Gramoll Partnerschaftsgesellschaft.

Oktober 2020

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