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Steigende Lebenserwartung: Die Menschen werden immer älter

Vor etwa hundert Jahren wurden die Menschen im Durchschnitt gerade einmal dreißig Jahre alt. Heute erleben immer mehr Menschen sogar ihren hundertsten Geburtstag. Warum steigt die Lebenserwartung weltweit – und was ist das Geheimnis „guten Alterns“?

Im globalen Durchschnitt werden die Menschen heute 71,5 Jahre alt. Frauen in Japan, die weltweiten Spitzenreiterinnen, erreichen sogar ein Durchschnittsalter von 87 Jahren. In Sierra Leone sterben Frauen und Männer dagegen bereits im Alter von durchschnittlich 50 Jahren. In den mehrheitlich reichen Weltregionen leben die Menschen durchschnittlich 17 Jahre länger als etwa in Afrika, so das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung.

Wie alt man wird, hängt vor allem davon ab, wo und wie man lebt. Wo Hunger und gewaltsame Konflikte herrschen und die gesundheitliche Versorgung schlecht ist, sterben die Menschen früher. Hier kann eine Infektionskrankheit schnell tödlich enden, außerdem sterben Frauen häufiger bei der Geburt eines Kindes. Dagegen versprechen Wohlstand, Bildung und der Zugang zu Gesundheitsleistungen ein längeres Leben. Es gibt aber auch Wohlstandsrisiken, die die Lebenserwartung reduzieren. Dies sind vor allem Rauchen, Alkohol und Drogen, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht.

Zahlen und Fakten zur weltweiten Lebenserwartung

  • Stetiger Trend nach oben

    Stetiger Trend nach oben

    Die bessere medizinische Versorgung macht es möglich: Die heutigen Generationen werden im weltweiten Durchschnitt deutlich älter als ihre Eltern und Großeltern.

    Quelle: akzente – Das Magazin der GIZ

  • Wo die Menschen besonders alt werden

    Wo die Menschen besonders alt werden – und wo ihnen weniger Zeit bleibt

    Eine mehr als 30 Jahre höhere Lebenserwartung und ein umfassendes Gesundheitssystem trennen Spitzenreiter Japan von Sierra Leone. 

    Quelle: akzente – Das Magazin der GIZ

  • Der kleine Unterschied

    Der kleine Unterschied

    Frauen leben länger als Männer. Global betrachtet haben sie eine Lebenserwartung von etwa 73 Jahren, 1981 waren es noch 65. Bei Männern sind es 69 Jahre, 1981 waren es 61.

    Quelle: akzente – Das Magazin der GIZ

  • Kleine und große Ausgaben

    Kleine und große Ausgaben

    Weltweit werden im Schnitt 948 US-Dollar pro Person und Jahr für Gesundheit ausgegeben, in den USA 8.362, in Eritrea nur zwölf.

    Quelle: akzente – Das Magazin der GIZ

  • Niedrige und hohe Raten

    Niedrige und hohe Raten

    Trotz großer medizinischer Fortschritte sterben immer noch Frauen bei der Geburt. Selbst in Europa sind es 16 pro 100.000 Entbindungen.

    Quelle: akzente – Das Magazin der GIZ

  • Mehr oder weniger Aufsicht

    Mehr oder weniger Aufsicht

    Fast drei Viertel aller Geburten geschehen mit professionellem Personal. In Botsuana sind es 100 Prozent der Geburten, in Somalia nur neun.

    Quelle: akzente – Das Magazin der GIZ

  • Weniger Raucher

    Weniger Raucher

    In einigen Regionen der Welt greifen die Menschen heute seltener zum Glimmstängel als früher: In Amerika werden nur noch halb so viele Zigaretten geraucht wie 1980.

    Quelle: akzente – Das Magazin der GIZ

  • Weniger Poliokranke

    Weniger Poliokranke

    Durch intensives Impfen ist Polio fast aus­gerottet. Es kommt nur noch in Afghanistan, Pakistan und Nigeria vor.

    Quelle: akzente – Das Magazin der GIZ

  • Weniger Fälle von HIV/Aids

    Weniger Fälle von HIV/Aids

    Die Zahl der Neuinfektionen mit dem HI-Virus ist deutlich gesunken: von 3,2 Millionen im Jahr 2000 auf 2,1 Millionen im Jahr 2015.

    Quelle: akzente – Das Magazin der GIZ

  • Weniger Todesfälle bei Kindern  Die Kindersterblichkeit hat sich weltweit verringert. Zwischen 1990 und 2015 ist die Zahl der Todesfälle fast um die Hälfte gesunken.

    Weniger Todesfälle bei Kindern

    Die Kindersterblichkeit hat sich weltweit verringert. Zwischen 1990 und 2015 ist die Zahl der Todesfälle fast um die Hälfte gesunken.

    Quelle: akzente – Das Magazin der GIZ

Medizinischer Fortschritt und verbesserte Lebensbedingungen

In den kommenden Jahren wird der Anteil der über 60-Jährigen an der Weltbevölkerung stark wachsen. Sie verdanken ihr hohes Alter in erster Linie einer besseren medizinischen Versorgung. Außerdem müssen zumindest in Industrie- und Schwellenländern immer weniger Menschen körperlich hart arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. So bleiben sie länger körperlich fit. Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt aber auch an, weil weltweit immer weniger Menschen bereits im Kindesalter sterben.

Zusammenhang zwischen Einkommen und Lebenserwartung

Nicht nur in Entwicklungsländern wird die Lebenserwartung auch vom sozialen Status beeinflusst. So berichtet die Weltgesundheitsorganisation (World Wealth Organization, WHO), dass diese beispielsweise in China je nach Bildungsgrad und Einkommen sehr unterschiedlich ist. Männer im Alter von 55 Jahren mit einem Universitäts- oder Collegeabschluss lebten etwa 20 Prozent länger als Gleichaltrige mit einem niedrigeren Bildungsniveau. Jene mit einem höheren Einkommen lebten sogar durchschnittlich 37 Prozent länger als Landsleute mit einem niedrigeren Einkommen. 

Hans Rosling war Professor für Internationale Gesundheit am Karolinska Institutet und Direktor der Gapminder-Stiftung in Stockholm. In diesem kurzen Video (englisch) zeigt er, dass Menschen in Ländern mit einem hohen Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf länger leben:

Video: Hans Rosling – How Does Income Relate to Life Expectancy?

Nur mit guter Gesundheit gelingt gutes Altern

Wie erstrebenswert es ist, ein hohes Lebensalter zu erreichen, hängt davon ab, wie wir älter werden. Die Zeit zwischen dem 80. und dem 100. Geburtstag bettlägerig, schwach und dement zu verbringen, wünscht sich wohl niemand. Entscheidend für ein gutes Leben im Alter ist also vor allem eine gute Gesundheit. Es gibt heute viele 70-Jährige, die so fit sind wie 40-Jährige. Andere 70-Jährige benötigen dagegen rund um die Uhr Pflege. Es gibt also nicht den typischen alten Menschen.

Nicht nur für jeden Einzelnen, auch für die Gesellschaft insgesamt ist eine möglichst gesunde ältere Bevölkerung von Vorteil. Schließlich soll die steigende Lebenserwartung das Gesundheitssystem finanziell nicht zu sehr belasten. Genau diese Befürchtung haben nämlich viele, doch die WHO sieht keinen signifikanten Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Alterung und steigenden Gesundheitsausgaben.

Trotzdem braucht es Investitionen in die „Generation 60+“. Die WHO fordert, dass alle Länder ihre Gesundheitssysteme auf die Bedürfnisse der älteren Menschen ausrichten, Systeme für Langzeitpflege entwickeln und ein altersfreundliches Lebensumfeld schaffen.

Ein Gespräch mit dem Anti-Aging-Mediziner Prof. Dr. Bernd Kleine-Gunk darüber, was wir tun können, um länger jung zu bleiben.

Lang, länger, ewig leben?

Wie alt werden die Menschen in 20 Jahren? Und wie leben sie dann? Die Wissenschaft kann heute noch nicht abschätzen, ob sich der Alterungstrend weiter fortsetzen wird. Laut Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung gibt es Hinweise, dass irgendwann ein biologisches Limit und damit ein Ende des Anstiegs der Lebenserwartung erreicht sein könnte. Optimisten seien jedoch davon überzeugt, dass schon heute Menschen leben, die im Prinzip 150 Jahre alt werden können.

Für die Entwicklung der Weltbevölkerung ist das allerdings ein eher pessimistisches Szenario. Experten befürchten, dass die Ressourcen der Erde nicht ausreichen werden, um die erwartete Weltbevölkerung von knapp zehn Milliarden Menschen im Jahr 2050 zu ernähren. Ein zusätzlicher Bevölkerungsanstieg durch mehr ältere Menschen würde die Situation nur noch verschärfen.

Trotzdem arbeiten im amerikanischen Silicon Valley High-Tech-Unternehmen wie Calico derzeit daran, dem ewigen Leben auf die Spur zu kommen. Google-Gründer Larry Page will nicht nur das Altern, sondern auch den Tod stoppen.

Unsterblichkeit – kann das unser Ziel sein? Die Menschheit täte gut daran, sich erst einmal um Gesundheit und Wohlergehen aller zu bemühen, damit die Lebenserwartung weltweit steigt. Das heißt konkret, vor allem in weniger entwickelten Ländern Gesundheitsgefährdungen zu verringern, die Kinder- und Müttersterblichkeit zu reduzieren und die medizinische Versorgung zu verbessern. Der, dem das gelingt, könnte dann vielleicht mit Unsterblichkeit belohnt werden.

Demografischer Wandel: Aktiv in die Zukunft

Verraten Sie uns Ihre Vorstellungen vom Alter und vom Altern: Wann ist man alt? Wie alt möchten Sie werden? Und wie möchten Sie alt werden? In der Community-Gruppe „Die Welt von Morgen“ geht es um das Thema „Demografischer Wandel: Aktiv in die Zukunft“ – wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

Community-Diskussion

Autorin: Susanne Reiff, to the point communication

September 2017

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Kommentare

Jamit
14. Oktober 2018

Wie behalte die Aktivitäten in alter damit ich gerne weiter leben möchte ?
Die Welt bereisen !!! Mit gute Rente geht aber mit kleinen Rente ?
Dann ab in die dritten Welt !
Dafür muss vorbereitet werden ,
ein Familienmitglied muss die Sprache des Gastes gelernt haben .
Das Internet hilft , die fremde Sprache zu lernen und ein Kontakt mit den jüngeren verwandten zu knüpfen

Maria Elisa Vazquez
2. Oktober 2017

Vielleicht ist es wichtiger für jeden einzelnen, sich zu fragen; wie werde ich alt? Wie werden wir alt?, um eine tiefgründlichere Diskussion führen zu können. Für mich ist es nicht sehr wichtig, wie alt ich werde, sondern welche Spur nach mir hinterlassen wird, denn hoffentlich gehören wir alle zu einem Kontinuum, und jeder einzelne von uns trägt zu diesem Kontinuum bei.
Mit 45 Jahren und 3 Kindern halte ich Familie für sehr wichtig, aber ich werde nicht immer bei meiner Familie, Freunde, Umgebung und in dieser Welt bleiben können. Unmöglich! Wenn sich nach meinem Tod meine Umgebung(kleinere oder erweiterte) sich an mich erinnern kann, weil ich etwas Sinnvolles gebracht habe, dann spielt das Alter keine Rolle mehr.

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