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Agenda 2030: Vielfältige Arbeit des DAAD

Mit den „Nachhaltigen Entwicklungszielen“ (Sustainable Development Goals, SDG) der Agenda 2030 adressieren die Vereinten Nationen 17 unterschiedliche Themenfelder – und betonen dabei auch die Bedeutung hochwertiger Bildung bei der Bewältigung globaler Herausforderungen. Den Anteil von Hochschulbildung und Wissenschaft für eine nachhaltige Entwicklung thematisierte unlängst ein Berliner Expertentreffen, das auch die vielfältige Arbeit des DAAD in diesem Bereich verdeutlichte.

Auf gelben Kartons hatten die Teilnehmer eines „Thinking Labs“ des Berlin Expertentreffens vor allem eine Herausforderung immer wieder notiert: Wie gelingt es bei Projekten in der Entwicklungszusammenarbeit im Hochschulbereich, die unterschiedlichen Akteure wie Universitäten, Hilfsorganisationen, politische Institutionen und Unternehmen erfolgreich zusammenzubringen? Als gut funktionierendes Beispiel wurde im Thinking Lab das Projekt NoPa („Novas Parcerias/Neue Partnerschaften“) vorgestellt.

NoPa ist ein deutsch-brasilianisches Programm zur Förderung praxisorientierter Forschungspartnerschaften. Seit 2010 kooperiert der DAAD im Rahmen von NoPa mit der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Agentur des brasilianischen Bildungsministeriums CAPES: Ziel des Programms ist es, zu forschungsbasierten und gleichzeitig schnell nutzbaren Innovationen für nachhaltige Entwicklung beizutragen. Dabei finden unter anderem Matchmaking-Veranstaltungen statt, und zwar bereits kurz nach der Ausschreibung von Kooperationsmitteln durch den DAAD. Bei den Veranstaltungen kommen Vertreter von Universitäten, Forschungsinstitutionen, Unternehmen, aber auch aus der Politik und der Praxis der Entwicklungszusammenarbeit zusammen. Bei den Treffen haben sie die Möglichkeit, frühzeitig an ihren gemeinsamen Anträgen zu arbeiten. Und dadurch wird sichergestellt, dass die Forschungsfragen so formuliert sind, dass die Ergebnisse später in der Praxis effizient genutzt werden können.

Internationales Expertentreffen

Das Thinking Lab, in dem NoPa vorgestellt wurde, war Teil der Konferenz „Role of Higher Education, Science and New Alliances in the Context of the 2030 Agenda“. Das internationale Expertentreffen wurde vom DAAD gemeinsam mit dem BMZ, der Alexander von Humboldt-Stiftung, der GIZ und der KfW Entwicklungsbank organisiert. Bei der Veranstaltung am 20. und 21. März in Berlin diskutierten rund 100 Fachleute, unter ihnen mehrere Vertreter des DAAD, über die Bedeutung von Hochschulbildung und Wissenschaft für eine nachhaltige Entwicklung. Beide Bereiche sollen nach der 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedeten Agenda 2030 stärker berücksichtigt werden, um die 17 „Nachhaltigen Entwicklungsziele“ (Sustainable Development Goals, SDG) zu erreichen.

Förderung für Afrikas Wissenschaftsnachwuchs

Der DAAD trägt neben Kooperationsprojekten wie NoPa durch viele andere Aktivitäten dazu bei, die SDG zu erreichen. Zum SDG 4 „Qualitativ hochwertige Bildung für alle“ zählt beispielsweise ausdrücklich die Vergabe zusätzlicher Stipendien für Studierende aus den am wenigsten entwickelten Ländern. Vor allem in Subsahara-Afrika wächst die Zahl der Studierenden rasant. So hat sich ihre Zahl zum Beispiel in Kenia zwischen 2010 und 2016 auf über 500.000 Studierende mehr als verfünffacht. „Es ist deshalb enorm wichtig, jetzt neue, gut qualifizierte Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer auszubilden“, sagt Christoph Hansert, Leiter des Referats Entwicklungszusammenarbeit im DAAD. Zu diesem Zweck hat der DAAD aus Mitteln des BMZ zuletzt bereits über 600 zusätzliche Stipendien für angehende afrikanische Hochschullehrer, vor allem für deren Ausbildung an Exzellenzzentren in Afrika, vergeben.

Auch das neue, ebenfalls aus Mitteln des BMZ finanzierte DAAD-Programm „Bilaterale SDG-Graduiertenkollegs“ leistet einen Beitrag zur Erreichung der neuen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Der DAAD fördert mit dem Programm den Aufbau von insgesamt sieben SDG-Graduiertenkollegs in Afrika, Asien und Lateinamerika. Dabei bilden deutsche Universitäten und ihre internationalen Partnerhochschulen gemeinsam Experten und Dozenten auf Master-, Promotions- und Postdoc-Level aus. Das Ziel: Die Strukturen für interdisziplinäre Forschung und Nachwuchsförderung an den Hochschulen vor Ort nachhaltig zu stärken und Lösungen für zentrale SDG-Themen zu erarbeiten. Auf der Agenda-2030-Konferenz in Berlin stellten Vertreter der südafrikanischen University of Witwatersrand und der Technischen Universität Berlin ihre gemeinsame Graduiertenschule vor, die sich mit nachhaltiger Stadtentwicklung beschäftigt. Dabei kommt es auf aktive Partizipation der Bevölkerung an – das betonte in Berlin Aditya Kumar, Geschäftsführer der „Development Action Group“ aus Südafrika, die intensiv an der Kooperation der beiden Universitäten mitwirkt. „Angesichts des starken Bevölkerungswachstums in Städten ist es von großer Bedeutung, dass man Strukturen entwickelt, die nachhaltig und partizipativ sind“, erläuterte Professor Philipp Misselwitz, Leiter des HABITAT-Lehrstuhls der TU Berlin.

Arbeit an konkreten Problemen: Wasser

Auch den Zugang zu sauberem Wasser, den das SDG 6 thematisiert, hat der DAAD im Blick und bringt im Wasserbereich entscheidende Akteure zusammen, um an nachhaltigen Lösungen zu arbeiten. So organisierten Universitäten in Siegen, Kaiserlautern und Berlin (FU) gemeinsam mit kenianischen Hochschulen, DAAD-Alumni aus Ostafrika, kenianischen Water Action Groups, DAAD und GIZ beispielsweise ein Seminar in Kenia, bei dem sich die Teilnehmer aus Forschung und Praxis durch „Action Research“ in den Slumgebieten mit der Wasserversorgung für arme Stadtbewohner beschäftigten. Dabei stellte sich heraus, dass neben der technischen Umsetzung vor allem die organisierte Kriminalität bei der Wasserversorgung und intelligentes Überflutungsmanagement in Slums noch größere Aufmerksamkeit von Hochschulen und Entwicklungszusammenarbeit erfordern. Ein weiteres Beispiel: Erst im März 2017 trafen sich bei einem vom DAAD organisierten Wasser-„Alumnitalk“ in Hanoi ehemalige Geförderte aus Vietnam, China, Indonesien, Myanmar und Thailand, um aus der Perspektive verschiedener Fachrichtungen Wasser- und Umweltprobleme ihrer Länder zu diskutieren. „Durch Maßnahmen wie diese tragen wir dazu bei, dass interdisziplinär an konkreten Problemen gearbeitet wird“, sagt Christoph Hansert.

Ergebnisse des Expertengesprächs

Die wichtigste Botschaft gab der Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik, Professor Dirk Messner, den Teilnehmenden der Konferenz gleich zu Beginn mit auf den Weg. Neben der Anpassung und Anwendung globalen Wissens auf lokale Situationen werde in Zukunft die gemeinsame Erarbeitung neuen Wissens, „joint knowledge creation“, immer wichtiger, um die SDG bis 2030 erreichen zu können. Wie der Staat und führende deutsche Unternehmen müsse auch die Entwicklungszusammenarbeit künftig 3 Prozent ihres Budgets in Forschung und Entwicklung einsetzen; davon sei sie heute noch weit entfernt. Umgesetzt werden könne eine solche Steigerung nur durch eine massive Ausweitung innovativer Kooperationen von Hochschulen, Entwicklungszusammenarbeit und neuen Akteuren aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Pilotprojekte für eine Zusammenarbeit jenseits des eignen Tellerrands wurden auf dem Expertentreffen in Berlin in vielfältiger Form vorgestellt. Jetzt fehlen nur noch die Mittel für den Ausbau.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf DAAD.de publiziert.

(c) Hendrik Bensch / Societäts-Medien, DAAD aktuell

April 2017

Kommentare

Vladimir
19. April 2017

Wasser ist sehr wichtig

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