1 Finde ich gut

Digitale Initiativen schaffen Aufmerksamkeit für sexuelle Belästigung

In vielen Ländern weltweit sind Frauen und Mädchen gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt. Digitale Initiativen wie HarassMap und Safecity helfen, sexualisierte Gewalt zu bekämpfen und Städte sicherer zu machen.

Zwar können Frauen in Städten häufig selbstständiger leben als auf dem Land. Doch in einigen Ländern sind sie gerade in Großstädten verstärkt sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Dagegen wehren sich Aktivistinnen und Aktivisten auch mit digitaler Technik.

Gewalt gegen Frauen ist in Lateinamerika ein großes Problem. Die App Junt@s („Gemeinsam“) soll Frauen in Notsituationen helfen. Mit wenigen Klicks kann das Smartphone zum Lebensretter werden – etwa, indem die App einen verschlüsselten Hilferuf an Freunde oder Familienmitglieder sendet.

Kampf gegen Gewalt: Eine App für mehr Sicherheit

Jede dritte europäische Frau über 15 Jahre hat in schon einmal körperliche oder sexualisierte Gewalt erlebt. Das geht aus einer Studie der EU-Agentur für Grundrechte (FRA) aus dem Jahr 2014 hervor. Für die meisten Übergriffe, so die Untersuchung, sind Partner oder Ex-Partner verantwortlich.

Aber Gewalt gegen Frauen und Mädchen findet nicht nur in privaten Räumen statt. In vielen Ländern können sich Mädchen und Frauen außerhalb ihrer vier Wände nicht überall sicher und frei bewegen. Selbst dann nicht, wenn sie in Städten wohnen, die Aufgrund ihrer Vielfältigkeit und Anonymität im Gegensatz zu ländlichen Gegenden Frauen oft ein selbstbestimmteres Leben ermöglichen.

Noch viel zu viele Frauen und Mädchen werden auf der Straße, im Bus, in der U-Bahn, in Cafés und Bars, eigentlich überall Opfer von sexueller Belästigung, Stalking oder physischer Gewalt. Oft wird ihnen vorgeworfen, selbst schuld an der Gewalt zu sein, die sie erleben. Sie müssen sich Sätze anhören wie „Du solltest dich anders kleiden“ oder „Warum musst du auch mit dem Bus fahren?“. Auch die Polizei verharmlost die Vorfälle in vielen Ländern, Täter werden viel zu selten zur Rechenschaft gezogen. In einigen Städten und Krisengebieten ist die Situation alarmierend.

Eine der beim „Hack for Youth“ in Uganda prämierten Smartphone-Apps ist SafePal, eine Plattform für Opfer sexueller Gewalt. Dort können sie vertraulich Übergriffe melden und Kontakt mit medizinisch und psychologisch geschultem Personal sowie der Polizei aufnehmen.

Health Apps in Uganda

Initiativen gegen sexualisierte Gewalt

Wie kann der öffentliche Raum für Mädchen, Frauen und auch transgeschlechtliche Menschen sicherer gestaltet werden? In den letzten Jahren haben Aktivistinnen und Aktivisten in verschiedenen Ländern digitale Werkzeuge entwickelt, die vor allem Frauen und Mädchen dabei unterstützen sollen, sich sicher im öffentlichen Raum zu bewegen, ihre Erfahrungen zu teilen und mehr Bewusstsein für Gewalt gegen Frauen zu schaffen.

Das Projekt HarassMap (etwa: Belästigungskarte) aus Ägypten ist ein Beispiel, wie digitale Kommunikation im Kampf gegen sexistische Handlungen und Gewalt zum Einsatz kommt. Per SMS, Twitter, Facebook oder auf der Webseite können Menschen Vorfälle sexueller Belästigung melden, egal ob sie sie selbst erlebt oder beobachtet haben. Alle gemeldeten Vorfälle werden auf einer digitalen Karte verzeichnet, die so auch das Ausmaß des Problems veranschaulicht. Das Projekt ruft Menschen dazu auf einzuschreiten, wenn sie Zeuge einer Gewalttat werden. Die Botschaft an die Täter: Euer Verhalten ist nicht tolerierbar und hat Konsequenzen!

Video: What is Harassmap? (englisch)

Eine ähnliche Strategie verfolgt die Safecity-App der Red Dot Foundation  aus Neu-Delhi in Indien. Unter dem Motto „Pin the creeps“ (etwa: „Haltet die Widerlinge fest“) sammeln die Gründerinnen und Gründer seit 2012 Meldungen sexualisierter Gewalt aus bislang 50 Städten in Indien, Kenia, Kamerun und Nepal. Zusätzlich zu einer genauen Ortsangabe, wo ein Übergriff stattfand, können Beweisfotos und -videos geteilt werden.

Video: Safecity – Intercultural Innovation Award 2016 (englisch)

Initiativen wie HarassMap und Safecity gehen unkonventionell und innovativ gegen sexualisierte Gewalt im öffentlichen Raum vor – und jede und jeder kann daran mitwirken. Ein vielversprechender Schritt, gemeinsam dafür zu sorgen, dass die Stadträume, in denen wir uns tagtäglich bewegen, zugänglich und sicher für alle sind.

Diskussion über Gewalt gegen Frauen

Im fünften der 17 Ziele für Nachhaltige Entwicklung geht es um die Gleichstellung der Geschlechter und speziell um die Bekämpfung von Gewalt und Ausbeutung. Kennen Sie weitere Projekte, die mit digitaler Technik dabei helfen, öffentliche Räume für Frauen und Mädchen sicherer zu machen? Erzählen Sie uns davon in der Community-Gruppe „Gender“ und diskutieren sie mit, wie Gewalt gegen Mädchen und Frauen weltweit beseitigt werden kann!

Community-Diskussion

Autorin: Janna Frenzel
FLMH Labor für Politik und Kommunikation GmbH

August 2017

Dieser Text ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz. Möglicherweise unterliegen zusätzliche Inhalte wie Bilder und Videos jeweils zusätzlichen Bedingungen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie einverstanden. Zudem gilt folgende Regelung für die korrekte Benennung der Urheber und Quelle sowie Übersetzungen.

Jetzt kommentieren