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Mobil, flexibel und umweltbewusst – Carsharing boomt nicht nur in Deutschland

Bereits seit einigen Jahren nutzen gerade in den Städten immer mehr Menschen Carsharing-Angebote, um die Umwelt zu entlasten – in Deutschland und international. Doch Carsharing bietet noch viele andere Vorteile.

Das Modell des Carsharing existiert in Deutschland, seitdem Mitte 1988 die Initiative StattAuto Berlin erstmals die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Autos anbot und damit eine kostengünstige und umweltbewusste Alternative zum Besitz eines eigenen Pkw aufzeigte. Bald danach entstanden auch in anderen Städten Carsharing-Angebote, so beispielsweise in Aachen, Bremen und Freiburg. Anfang 2014 waren nach Angaben des Bundesverbandes Carsharing e.V. über 750.000 Deutsche bei ungefähr 150 Anbietern in 380 Städten und Gemeinden als Nutzer registriert, was im Vergleich zum Vorjahr einem Zuwachs von 67,1 Prozent entspricht.

Stationsbasiertes oder Free-Floating-Carsharing

Heute gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen den Carsharing-Angeboten in Deutschland: So konkurriert das stationsbasierte Carsharing, bei dem die Wagen an festen Plätzen abgeholt und wieder abgestellt werden müssen, mit den Angeboten, bei denen die Autos an beliebigen Stellen im öffentlichen Raum geparkt werden können. Und obwohl die mit festen Stationen arbeitenden Anbieter versuchen, eine Vielzahl davon im ganzen Stadtraum zur Verfügung zu stellen, die man gut zu Fuß, per Rad, Bus oder Bahn erreichen kann, sind die sogenannten Free-Floating-Angebote bei vielen Nutzer wegen der höheren Flexibilität beliebter.

Der Bundesverband Carsharing erkennt allerdings insbesondere Free-Floating-Angebote, die nach dem steigenden Erfolg von Carsharing von Autoherstellern in Kooperation mit Mietwagenfirmen auf den Markt gebracht wurden, nicht als Carsharing in seinem Sinne an. Dies begründet er mithilfe von Studien, die belegen, dass die Nutzer von stationsbasiertem Carsharing dauerhaft weniger Auto fahren, häufiger den eigenen Pkw abschaffen und mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren als die Kunden der meisten Free-Floating-Angebote, wie zum Beispiel DriveNow (von BMW und Sixt) oder car2go (von Daimler und Europcar).

Mobilität, Flexibilität, Umweltbewusstsein: viele gute Gründe für Carsharing

Fragt man Nutzer von Carsharing nach den Gründen, wird stets die große Flexibilität genannt, die daraus entsteht, dass man – je nach Vertrag und Preisgestaltung – unterschiedlichste Wagenklassen für verschiedene Bedürfnisse mieten kann, und dies für kürzere Zeit und mit weniger Vorlauf und Aufwand als etwa bei Mietwagen. Viele Menschen, die in der Stadt leben, möchten aus Kostengründen, wegen fehlender Parkplätze oder zur Entlastung der Umwelt auf ein eigenes Auto verzichten, benötigen aber gelegentlich – für den Großeinkauf oder den Familienausflug ins Grüne – einen Pkw. Hier ist Carsharing der ideale Kompromiss. Zudem betrachten immer mehr Menschen, die geschäftlich viel unterwegs sind, Carsharing als günstigere Alternative zu teuren Taxifahrten.

Video: Carsharing – Städter teilen ihre Autos

Carsharing international

Im internationalen Vergleich zählt Deutschland nach der Schweiz, Österreich und Kanada zu den Ländern, in denen Carsharing am stärksten genutzt wird. Dabei liegt die gemeinschaftliche Nutzung von Autos aber nicht nur in Westeuropa und Nordamerika im Trend; auch immer mehr Länder in Asien, Südamerika und Osteuropa setzen auf Carsharing – so zum Beispiel China, wo das Verkehrsaufkommen eine immer größere Umweltbelastung darstellt. Im August 2014 besuchten Städteplaner aus dem südchinesischen Kanton die norddeutsche Stadt Bremen, um sich von Michael Glotz-Richter, Referent für „Nachhaltige Mobilität“, erläutern zu lassen, wie Carsharing dort funktioniert. „China stößt in der Motorisierung jetzt an Grenzen – oder ist schon darüber hinaus. Die suchen dringend nach Lösungen und, da sie schon zu viele Autos in den Städten haben, ist natürlich Bremen das Beispiel, um zu lernen: Wie kann man’s denn anders machen?“, so Glotz-Richter.

Jiangtao Li vom „Institut Städtische Innovation“ ist über die Nutzung von Carsharing hinaus vom gesamten Bremer Verkehrskonzept beeindruckt, das auch stark auf öffentliche Verkehrsmittel und ein gutes Netz aus Fahrradwegen setzt und erfolgreich die Zahl der Autos reduziert hat. Als Fazit nahmen die chinesischen Planer von ihrer Reise mit, dass zwar eine 1:1-Übernahme des Bremer Carsharing-Systems allein die Verkehrsbelastung in Guangzhou (Kanton) nicht aufheben würde, man sich am Modell der „grünen Hansestadt“ dennoch ein Beispiel nehmen könne, um die Menschen – ganz egal, wo auf der Welt – zu einer neuen Denkweise in Sachen Verkehr zu bewegen.

Januar 2015

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