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„Nachhaltigkeit und Lebensstil in Einklang bringen.“ Rosa Strube im Interview

Lebensqualität umweltverträglich steigern: Das will Rosa Strube mit ihrer Arbeit. Ein Gespräch über nachhaltige Konzepte, den Zusammenhang von Lebensstil und Ressourcenschonung, internationale Unterschiede in puncto Nachhaltigkeit – und den schwierigen Versuch, Reiselust und Umweltschutz in Einklang zu bringen.

Seit 2009 ist Rosa Strube Projektmanagerin des Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP) in Wuppertal. Hier befasst sie sich mit nachhaltigen Stadt- und Logistikprojekten, unter anderem für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Beim virtuellen Praxisprojekt des Alumniportals zum Schwerpunktthema „Nachhaltig leben“ wirkt sie als Jurymitglied und Moderatorin zweier Webinare mit.

Frau Strube, was bedeutet nachhaltiger Lebensstil für Sie persönlich?

Rosa Strube: Für mich bedeutet das, mein alltägliches Handeln immer wieder neu zu denken und zu verändern. Und konkret: Mich bei Ernährung, Konsum, Mobilität und Wohnen möglichst so zu verhalten, dass es ökologisch und sozial im besten Sinn verträglich ist.

CSCP: Aktiv auf vier Kontinenten

Sie arbeiten beim Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP). Was sind dessen Aufgaben und Ziele?

Rosa Strube: Wir wollen die Lebensqualität weltweit verbessern und gleichzeitig die negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen reduzieren. Und wir wollen aktiv dazu beitragen, dass nicht nachhaltige Trends in Wirtschaft und Gesellschaft durch technische, organisatorische und soziale Neuerungen überwunden werden – durch das gemeinsame Engagement aller beteiligten Gruppen.

Zu diesem Zweck führen wir in Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika wissenschaftliche Studien durch, entwickeln Zukunftsvisionen, beraten Politiker und Unternehmen, vernetzen Akteure und vermitteln Wissen. Als Bindeglied zwischen Forschung und Praxis sorgen wir so dafür, dass die Potenziale für nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen letztendlich auch genutzt werden.

Nachhaltigkeit hat viele Facetten

Gibt es beim Thema „nachhaltiges Leben“ Unterschiede zwischen den Kontinenten?

Rosa Strube: Zunächst einmal zeigt sich in allen Regionen, dass Lebensstil- und Konsumthemen inzwischen sehr ernst genommen werden. Was sich aber unterscheidet, sind die konkreten Fragestellungen, wie nachhaltige Lebensstile erreicht werden können.

Was bedeutet das konkret?

Rosa Strube: Da der Ressourcenverbrauch  einer Person zumeist stark von ihrem ökonomischen Wohlstand abhängt, müssen für reiche Gesellschaften mit westlichen Lebensstilen Lösungen gefunden werden, die den Ressourcenverbrauch verringern. Anders ist es in ärmeren Regionen, in denen die ökologischen und sozialen Auswirkungen eines Lebensstils eher gering sind. Hier stellt sich die Frage, wie ein höherer Lebensstandard erreicht werden kann – und das mit Modellen, die weniger Ressourcen schlucken als die westlichen.

Durch die gegenwärtige ökonomische Krise ein einigen europäischen Ländern sowie die neue Mittelschicht in zahlreichen Schwellenländern verschwimmen die Grenzen aber zunehmend.

Zeitgewinn durch nachhaltiges Leben

Was reizt Sie an Ihrer Arbeit?

Rosa Strube: An meiner Arbeit am CSCP schätze ich, dass wir als eine von wenigen Organisationen Nachhaltigkeit aus der Lebensstil-Perspektive beleuchten. Auch bin ich fest davon überzeugt, dass unser Ansatz, Lösungen und neue Ideen für alternative Ansätze in den Vordergrund zu stellen und dabei mit unterschiedlichen Gruppen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenzuarbeiten, der beste Weg ist, um etwas anzustoßen.

Was machen Sie persönlich, um nachhaltig zu leben?

Rosa Strube: Ich ernähre mich überwiegend vegetarisch und möglichst saisonal. Ich habe mich bewusst gegen ein Auto entschieden und fahre mit dem Rad oder Bus und Bahn: Damit gewinnt man auch viel Zeit, die man aktiv nutzen kann. Ansonsten  beziehe ich Ökostrom, bin Kundin einer ethischen Bank und dergleichen.

Allerdings fällt es mir manchmal schwer, meine Reiselust und den Besuch bei Freunden in verschiedenen Ländern mit einem ressourcenarmen Lebensstil zu vereinen. Ich teste aber auch selbst innovative Ideen wie die gemeinsame Nutzung von Gegenständen, Gemüsekisten oder Apps, die mir helfen, mich nachhaltiger zu verhalten.

September 2015

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