Drei Fragen zu Nachhaltiger Entwicklung: Ziel 17 – Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

Wir sprachen mit Brian Gallagher, Präsident und Geschäftsführer von United Way Worldwide, über globale Partnerschaften für nachhaltige Entwicklung. Brian Gallagher verfügt über einen Universitätsabschluss in Sozialarbeit sowie einen MBA und fing bei United Way als Management-Trainee an. Heute wirkt er regelmäßig auf verschiedene Arten am Weltwirtschaftsforum mit und ist fest davon überzeugt, dass man Individuen und Organisationen zusammenbringen muss, um schwierige soziale und wirtschaftliche Probleme zu bewältigen.

1014: Glauben Sie, dass zwischen den verschiedenen Akteur*innen Einvernehmen herrscht, dass starke Partnerschaften – quer durch Unternehmen, Regierung und Zivilgesellschaft – eine nachhaltige Entwicklung und das Gemeinwohl in unseren Gemeinschaften verbessern können?

Brian Gallagher: Kurz gesagt, ja. Wenn den Menschen bewusst wird, dass sich bestimmte Gemeinschaftsprobleme nur schwer individuell oder von nur einem Sektor alleine lösen lassen, wenden sie sich sektorübergreifenden Partnerschaften zu, die die Entwicklung nachhaltigerer Lösungen ermöglichen. Ob es Unternehmen, gemeinnützige Organisationen, akademische Kreise oder die Regierung sind, jeder Sektor hat zu jeder Herausforderung unterschiedliche Grade an Ressourcen, Expertise und lokalem Wissen beizutragen. United Way hilft diesen verschiedenen Akteuren dabei, in Kontakt zu kommen, einen Anfang zu machen und solche nachhaltigen, sektorübergreifenden Lösungen zu entwickeln. Tatsächlich sind wir seit über einem Jahrhundert der „Gemeinschaftstisch“, an dem sich die Führungspersönlichkeiten lokaler Unternehmen, gemeinnütziger Organisationen und der öffentlichen Hand treffen, um die größten Probleme der jeweiligen Gemeinschaft diskutieren, Gelder aufzutreiben und Lösungen zu finden. Ob wir zusammen mit UPS den Menschenhandel bekämpfen oder mit Regierungen in Indien Umweltsanierungen durchführen, wir bringen Individuen und Institutionen zusammen, um die aktive Beteiligung der Gemeinschaft und ganzheitliche Problemlösungen sicherzustellen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Lösung bewährt und bessere Chancen für alle nach sich zieht.


Was möchte United Ways erreichen? Und wie wollen Sie das zuwege bringen? Was sind einige der Herausforderungen, die Sie bei Ihrer Arbeit erleben? Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?

Unsere Mission ist die Verbesserung von Leben, indem wir die Hilfsbereitschaft in Gemeinschaften auf der ganzen Welt mobilisieren, um das Gemeinwohl zu fördern. Im Kern sind wir in 1800 globalen Gemeinschaften vertreten und helfen den Menschen mit den Bausteinen des Lebens – Gesundheit, Bildung und finanzielle Stabilität. Wir gehen Partnerschaften mit globalen wie lokalen Unternehmen sowie gemeinnützigen und anderen Organisationen ein, um die Herausforderungen aus dem Weg zu räumen, mit denen Menschen konfrontiert sind, die eine gute Bildung, Ausbildung und Zugang zu einem guten Job anstreben, medizinische Versorgung benötigen und so weiter. Wir messen unsere Bemühungen und Fortschritte an den Nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen.

Eine der größten Herausforderungen heute liegt darin, das Vertrauen der Menschen zu stärken, dass Individuen und Institutionen hartnäckige Probleme wie Armut, schlecht ausgestattete Schulen oder überlastete Gesundheitssysteme lösen können, wenn sie zusammenarbeiten. Ich arbeite schon seit Beginn meiner Karriere in Gemeinschaften und weiß, dass wir durch Partnerschaften Fortschritte dabei gemacht haben, zum Beispiel die Schulabschlussquoten zu erhöhen, die Lesefrühförderung zu stärken, Menschen beim Sparen zu helfen und so weiter. Ich engagiere mich mit Begeisterung dafür, Menschen bei der Ausschöpfung ihres Potentials zu helfen und alle gleichermaßen voranzubringen. Wenn wir diese Lösungen dann im großen Maßstab umsetzen können, häufig in Partnerschaft mit einem engagierten Unternehmen in der betreffenden Gemeinschaft, dann habe ich das Gefühl, dass wir echte positive Veränderungen erzielen.

Was sollte Ihrer Meinung nach in einer idealen Welt noch getan werden, um die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteur*innen zum Nutzen unserer Gemeinschaften zu verbessern?

Zunächst einmal ist entscheidend, dass wir quer durch die gesamte Gesellschaft Vertrauen aufbauen. Wenn wir die Folgen der Pandemie bekämpfen wollen, von den sozioökonomischen Problemen ganz zu schweigen, denen wir schon vor dem Virus gegenüberstanden, werden wir das Vertrauen der Menschen ineinander und in die Institutionen wieder aufbauen müssen. Entscheidungsträger*innen, Wirtschaftsführer*innen und die Medien haben in den letzten Jahren alle einen Rückgang ihrer Vertrauensraten erlebt, was es schwierig macht, die Menschen davon zu überzeugen, über ihre unmittelbaren Probleme hinauszuschauen und zusammenzuarbeiten, um Probleme wie wirtschaftliche Ungleichheit zu bewältigen. Wir müssen Verständnis und Empathie aufbringen und eine gemeinsame Basis erarbeiten, um zusammen einen Weg nach vorne zu finden.

United Way sorgt seit über 130 Jahren für solche entscheidenden Brückenschläge. Wir haben erlebt, dass das mit großen und kleinen Partnern funktioniert. Wenn wir alle ein bisschen etwas abgeben, gewinnen wir alle viel. Und wenn wir begreifen, dass wir – ob als Individuen oder als Institutionen – nur so stark sind wie die Orte, an denen wir leben und arbeiten, werden wir alle und unsere Gemeinschaften davon profitieren.

Weitere Informationen über United Way finden Sie auf ihrer Website www.unitedway.org

Diese Interviewreihe wurde ursprünglich auf 1014.nyc veröffentlicht und durch das Goethe-Institut ins Deutsche übersetzt.

September 2020

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